Engel in Polen
Als der polnische TV-Serienstar Jacek Poniedzialek sich in der wichtigsten Talkshow des polnischen Fernsehens als schwul outete, hielt die Fernsehnation für eine kleine Schrecksekunde den Atem an. Schließlich ist Homosexualität in Polen (noch) eine öffentlich geächtete, rechtliche Angelegenheit. Und dann geschah: nichts. Mit Ausnahme vielleicht des jähen Endes einiger Kioskbesitzerinnenträume.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Poniedzialek den Kushner-Text bereits in eine polnische Bühnenfassung übertragen, die leicht und stimmig mit der Schauspielregie Warlikowskis zusammengeht: Ganz nah an den Figuren wie den Menschen.
Tony Kushners Sodom, das Amerika der restaurativen Reagan-Ära zu Zeiten der ersten AIDS-Schockwelle, ist seinerseits ganz nah an einem Polen im Geiste von «Recht und Gerechtigkeit», der Partei der vor kurzem abgewählten Kaczynski-Zwillinge. Zumindest hat der christliche Fundamentalismus in beiden Settings wenig mit den Bedürfnissen der Menschen zu tun, sagt Krzysztof Warlikowski, der «Angels in America» Anfang des Jahres als polnische Erstaufführung ins Teatr Rozmaitosci in Warschau importierte: «Er ist einfach ein sehr profitabler Wahlslogan.»
Schwule Teletubbies
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