Das kleine Machtgefühl
Warum wird dieses Thema derzeit völlig ignoriert?», fragte Harald Schmidt auf den Brettern des Stuttgarter Schauspiels und meinte den Deutschen Herbst. Selten war Ironie so am Platz. Das ganze 30. Jubiläumsjahr hindurch war schließlich dokumentiert, getalkt, gestritten und erinnert worden.
Der Bundespräsident hatte nach langen Debatten und konspirativen Treffen das Gnadengesuch Christian Klars abgelehnt, die Firma Eichinger mit der Verfilmung des linken Unterganges begonnen, und auch das besagte Stuttgarter Staatstheater rüstete sich zum Jahresende wacker für in drei Staffeln gegliederte Projektwochen zum Thema «endstation stammheim» – Inszenierungen, Lesungen, Diskussionen, eben das ganze Programm. Die Vehemenz, mit der überall das Jahr 1977 noch einmal durchgearbeitet, die RAF und ihre Verbrechen wieder und wieder verurteilt, ihr Mythos dekonstruiert und dann gleich wieder dämonisiert worden war, überraschte aber doch. Fast schien es, als hätte die Bundesrepublik es noch immer dringend nötig, sich lautstark über die Medien der liberalen Ordnung des Landes zu vergewissern – vielleicht ja zu Recht.
Linke Selbstaufklärung
Allerdings ist in den letzten Jahren durchaus geschehen, ...
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Ich muss Frank Kroll Recht geben – mit einer Ausnahme: der waghalsigen «These», Autoren subventionierten Theater. Ein Stückauftrag wird üblicherweise mit ca. 7.500 Euro plus Tantiemen bei garantierter Vorstellungszahl entlohnt; ich überlasse jedem nachzurechnen, wie lange sie oder er bei welcher Wochenstundenzahl dafür arbeiten muss.
Ansonsten hat er Recht: Die...
Als der polnische TV-Serienstar Jacek Poniedzialek sich in der wichtigsten Talkshow des polnischen Fernsehens als schwul outete, hielt die Fernsehnation für eine kleine Schrecksekunde den Atem an. Schließlich ist Homosexualität in Polen (noch) eine öffentlich geächtete, rechtliche Angelegenheit. Und dann geschah: nichts. Mit Ausnahme vielleicht des jähen Endes...
Am Ende können sie froh sein, wenn sie als Toastbrot über die Bühne stolpern dürfen: Die sechs Schauspieler in Roland Schimmelpfennigs «Reich der Tiere» haben wenig erhebende Berufsperspektiven. Eben noch gequälte Routiniers in einem musicalartigen Disneyverschnitt à la «König der Löwen», und nach sechs Jahren anonymer Dienstleistungsdarstellerei, versteckt unter...
