Sich kennen, mögen, verachten und schätzen
Am Ende können sie froh sein, wenn sie als Toastbrot über die Bühne stolpern dürfen: Die sechs Schauspieler in Roland Schimmelpfennigs «Reich der Tiere» haben wenig erhebende Berufsperspektiven. Eben noch gequälte Routiniers in einem musicalartigen Disneyverschnitt à la «König der Löwen», und nach sechs Jahren anonymer Dienstleistungsdarstellerei, versteckt unter Masken, demnächst wahrscheinlich arbeitslos – wenn sie nicht eine neue Chance bekommen im Nachfolgekassenquäler «Der Garten der Dinge»: als Ketchupflasche beispielsweise.
Schimmelpfennigs Ausflug in die ehrwürdigen Gefilde der Backstage-Comedy am untersten Ende der Bühnenkunstleiter lässt alle Unterhaltungschancen des Genres vorsätzlich ungenutzt, und die unvermeidlichen Restpointen werden von Regisseur Jürgen Gosch im Deutschen Theater lässig unterspielt. Stattdessen findet sich der Zuschauer über drei zum Teil quälend lange Stunden als MiterlebensVoyeur in den Umkleide-Elendsquartieren einer Fließband-Bühnenshow. Kein erniedrigendes Ganzkörperschminkritual, keine trostlose Garderobenintrige, kein ausführlich abgerissener Zehennagel bleiben unausgespielt. Doch spätestens wenn Wolfgang Michael, mehr gerupftes Huhn als ...
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