Unser aller Wolfen
MAN KANN EINEM MENSCHEN NICHT VON MORGENS BIS ABENDS SAGEN WIE ENTTÄUSCHT MAN VON IHM IST DAS HÄLT KEINER AUS.» Das gilt für Menschen wie für ganze Landstriche, den östlichen Teil Deutschlands zumal. Wo dauernd von Scheitern die Rede ist, wird das Ringen um Würde und Selbstbehauptung zur Existenzfrage. Fritz Kater, seit geraumer Zeit der erste Chronist des Nachwendeempfindens auf dem deutschen Theater, hat mit «HEAVEN (zu tristan)» diesem Ringen neuerlich ein Medium geschaffen.
Wobei – wie die Frankfurter Uraufführung zeigte (TH 10/07) – es dem Theater obliegt, die humane Stärke herauszupräparieren aus jenem bedrückenden Liebes- und Todesreigen, den das Stück diskurslastig und mythologisch unterfüttert (Tristan!) präsentiert.
Rostock ist sicher keine stagnierende Stadt wie der Ex-Chemiestandort Wolfen, der Schauplatz des Stückes. Und doch kommt die Aufführung hier wenige Tage nach der Frankfurter Premiere überaus passend. Mitten hinein in einen Sparbeschluss, mit dem die Rostocker Bürgerschaft das traditionsreiche Volkstheater auf etwa die Hälfte seines Etats niederschrumpft. Es kommt als Relevanzversprechen, mit dem sich das in letzter Zeit stark auf Boulevardeskes vertrauende Haus ...
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