Eine Prise Camp

Tony Kushner «Engel in Amerika» am Thalia Theater Hamburg

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Der Blick geht in Richtung Schnürboden, da oben schwebt etwas. Ein Engel? Oder doch nur das Ozonloch? Wir schreiben das Jahr 1986, die westliche Welt bewegt sich zwischen Milleniumsangst und radikaler Selbstvergewisserung. Kalter Krieg, konservativer Backlash, Umweltzerstörung schaffen eine fiebrige Atmosphäre, in der der Ausbruch der  Aids-Epidemie wie ein Fanal wirkt.

Tony Kushners 1993 veröffentlichtes New Yorker Gesellschaftspanorama «Engel in Amerika» wirft einen Blick auf diese Welt aus den Fugen: Louis trennt sich von Prior, weil er dessen langsames Sterben nicht aushält, der tief religiöse Rechtsanwalt Joe gerät in eine Glaubenskrise, als er sich eingestehen muss, Männer zu lieben, der konservative Strippenzieher Roy akzeptiert seine Erkrankung nicht, weil Krankheit in seiner Welt Schwäche bedeutet.

Das zweiteilige Stück wurde seinerzeit viel inszeniert, auch in Hamburg (als deutschsprachige Erstaufführung am Deutschen Schauspielhaus von Werner Schroeter). Mittlerweile gilt das Thema allerdings als durchdekliniert, spätestens seit eine Aids-Diagnose dank der Entwicklung der (teuren und mit starken Nebenwirkungen belasteten) Antiretroviral-Therapie kein automatisches ...

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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Chronik, Seite 67
von Falk Schreiber

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