Festival II: In der Einsamkeit der Bergwelt
Irgendwann werde ich einmal gehen müssen, hinaus oder hinüber», steht im liebevoll gestalteten Begleitbüchlein, das der Besucherin am Eingang zu Anna Peschkes Installation «Ophiopogon» in die Hand gelegt wird. «Dann wird es vielleicht dieses kleine berylgrüne Heftchen sein, das ein paar Menschen den Zugang zu meinen Welträumen ermöglicht. Sie können hierher zurückkehren.»
Dass auch die Erinnerung unterschiedlichste Zeiten, Räume und Menschen verbinden kann, gerät im Zeitalter der digitalen Vernetzung ein wenig in Vergessenheit.
Man muss nicht gleich die «Auswanderung des Denkens aus dem Gehirn» (Frank Schirrmacher) befürchten, um festzustellen, dass das menschliche Archiv, das Gedächtnis, sich zunehmend durch externe Speichermedien entlastet. In diesem Sinne wollte die Intendantin Veronika Kaup-Hasler das diesjährige Festivalmotto des Steirischen Herbsts «Back to the Future» auch weniger als Spielwiese gegenwärtiger Zukunftsszenarien verstanden wissen, denn als Auseinandersetzung mit «kulturellem Erbe». Auch das Festivalzentrum im GrazMuseum, vom italienischen Architekturkollektiv orizzontale ganz im retrofuturistischen Chic der fortschrittsoptimistischen Space-Age-Ära ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Anja Quickert
Bisher galt die Schweiz als Insel der Kulturglückseligen. Mit Basel als sicherem Grenzhafen. Theatermacher, die hier andocken wollen, auch aus dem Ausland, müssen in erster Linie Qualität beweisen, und nicht so sehr ihre private finanzielle Leidensfähigkeit. Zumindest ist das in den letzten zwei Jahrzehnten so gewesen.
Seit wenigen Wochen wissen plötzlich auch die...
Am Anfang des Anfangs tritt ein steinalter Rabbi an die Rampe im Schauspielhaus Basel und beerdigt die guten alten Zeiten. Der Bart wuchert fransig, die Stimme fistelt brüchig, und wenn ihm wieder eine Omi aus dem Pflegeheim in der Bronx weggestirbt, spürt der Rabbi, dass bald niemand mehr weiß, wie ein Schtetl von innen ausgesehen hat. Er hat Mühe mit «die...
Sie sind ein Bild unerschütterlicher Ruhe und Widerstandskraft: Die Kühe, die der japanische Theatermacher Akira Takayama auf schlammigen Weiden, 14 Kilometer vom Kernkraftwerk Fukushima entfernt, gefilmt hat. Dass sie noch leben, «verdanken» sie, wenn man so will, dem nuklearen Super-GAU im Jahr 2011. Ihr Fleisch ist als atomarer Sondermüll unverkäuflich, und...
