Interpreten statt Autoren
Vorab eine Warnung oder auch Entwarnung: Daniel Kehlmann fehlt im Register dieses Buches und mit ihm alle neueren Kombattanten und Kombattantinnen der immergrünen Werktreue-Debatte rund um die Grenzen (und Entgrenzungen) der Regie-Allmacht. Also alle von Peter Stein und Andrea Breth bis, sagen wir, Joachim Lottmann.
Überhaupt widmet sich Jens Roselt in seiner Textsammlung «Regie im Theater. Geschichte – Theorie – Praxis» dem Erscheinen des modernen, künstlerischen Regie-Typus eher mit breitem historischen Strich.
Zwar hebt das Buch mit Nicolas Stemann als livehaftig auftretendem Performer seiner eigenen Regisseurs-Rolle an (in seiner «Faust»-Inszenierung). Aber im Anschluss geht es denn doch vor allem um die Genese dieser exponierten Rolle zwischen dem ausgehenden 18. Jahrhundert und dem beginnenden 20. Von den verwaltungstechnischen Ursprüngen des Regieberufs im Stadttheater, als es Regisseuren vor allem oblag, für «Ordnung und Pünktlichkeit» am Haus zu sorgen, zeichnet Roselt in einer prägnanten sechzigseitigen Einleitung die sukzessive Emanzipation des Regisseurs als Spielleiter nach.
Ironie für Werktreue-Freunde: Erst mit dem Literaturtheater und mithin mit der Würdigung des ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Bücher, Seite 56
von Christian Rakow
«Pop ist tot», proklamierte Bernadette La Hengsts Diskursrockband Die Braut haut ins Auge 1998, «die Leiche ist noch warm und das Messer rot.» Worauf sich die Band folgerichtig auflöste; La Hengst zog von Hamburg nach Berlin und startete nicht ohne Erfolg eine zweite Karriere als Theaterregisseurin. Der Pop also ist Geschichte (obwohl La Hengst bis heute Musik...
Bücher zur Theorie des Theaters und des Films – in der Regel sind es Dissertationen oder Referate von wissenschaftlichen Symposien und Akademiedebatten – werden in beträchtlicher Zahl noch immer gedruckt, weil dafür Stipendien, Fördergelder oder sonstige Druckzuschüsse bereitgestellt werden. Monografische Darstellungen und gut dokumentierte, illustrierte Biografien...
Bisher galt die Schweiz als Insel der Kulturglückseligen. Mit Basel als sicherem Grenzhafen. Theatermacher, die hier andocken wollen, auch aus dem Ausland, müssen in erster Linie Qualität beweisen, und nicht so sehr ihre private finanzielle Leidensfähigkeit. Zumindest ist das in den letzten zwei Jahrzehnten so gewesen.
Seit wenigen Wochen wissen plötzlich auch die...
