Die Schamgrenze ist durchbrochen

Der Dresdner Intendant Wilfried Schulz im Gespräch über Pegida, rechtsradikale Sympathien in Dresden und die Haltung der Politik

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Bernd Noack Herr Schulz, was ist hier in Dresden eigentlich los?
Wilfried Schulz Naja, das fragen wir uns natürlich selber im Moment. Es ist wirklich eine nur sehr schwer zu verstehende Bewegung, die zwar im Kern etwas mit Dresden zu tun hat, aber natürlich nicht ausschließlich mit Dresden. Ich komme gerade aus Düsseldorf, und da finden dieselben Dinge im kleineren Maßstab auch statt. Was aber ist das Spezifische, warum so etwas gerade hier so schnell kulminiert? Dresden hat ja eine lange Geschichte in der Auseinandersetzung mit rechten Umtrieben.

Das hat etwas damit zu tun, dass diese Stadt sich mit ihrer eigenen Historie noch nicht allzu lange auseinandersetzt. Die ganzen Debatten um den 13. Februar, also den Jahrestag der Bombardierung und Zerstörung der Stadt 1945, sind wirklich ein zentrales Thema. Ist man eine Täterstadt des Faschismus oder, wie auch bis weit hinein in die bürgerliche Mitte behauptet wird, eine Opferstadt? Man neigt zum Opferstatus, und das ist natürlich von den Neonazis in den letzten Jahren heftig ausgenützt worden. Eigentlich war die Stadt gerade an einem Punkt angelangt, an dem es eine breite, auch bürgerliche Öffentlichkeit gegen diese rechten Umtriebe ...

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Theater heute März 2015
Rubrik: Wer ist Pegida?, Seite 36
von Bernd Noack

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