Keine Angst vor niemand
Mangelnden Mut kann man Sebastian Hartmann nach diesem Abend weiß Gott nicht vorwerfen. Er wagt sich wieder nach Frankfurt, wo er der Regisseur jenes «Massakerspiels» war, bei dem die hohe Spiralen schlagende Affäre mit dem Block begann. Es war und blieb lange seine einzige Frankfurter Inszenierung. Jetzt hat ihn Oliver Reese eingeladen, hier «Die Dämonen» als zweiten Teil einer Dostojewski-Trilogie zu inszenieren. Tausend Seiten Dostojewski! Mut verlangt das allerdings weniger wegen der Länge als wegen Castorf.
Mit den «Dämonen» begann Frank Castorf einst die Reihe seiner legendären Dostojewski-Inszenierungen. Und es gibt wohl keinen Regisseur, der so reflexhaft als Castorf-Epigone bezeichnet wird wie Sebastian Hartmann. Da braucht man schon Chuzpe und eine gewisse innere Freiheit, um sich auf der Bühne noch mal an diesen Roman zu machen.
Vollkommen offen
Auch Angst vor dem unmittelbaren Feind ist in Frankfurts Schauspiel nicht festzustellen. Die Spieler kommunizieren munter und freundlich mit den Schauern, sie reden vertraulich mit dem Publikum in den ersten Reihen und scheinen überhaupt sehr glücklich über alle Anwesenden. Die Frankfurter Schauspielbühne, deren beeindruckende ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Peter Michalzik
Paris kehrt zur Normalität zurück, mit Narben. Das Gedenken an die Attentate vom Januar bleibt sichtbar, etwa an der Place de la République: Da ist das Monument der Republik in der Platzmitte, mit der allegorischen Figur der Marianne, Symbol der Freiheit Frankreichs, übersät mit Blumensträußen. Kerzenlichter stehen da, Plakate und Flugblätter. Toute la république...
Jeder Fortschritt hat seinen Preis. Und sei es einen intellektuellen. Wenn man Werbeplakate prangen sieht mit einer Frau auf den Schultern eines Mannes, vier goldenen Paketen in der Hand und der Botschaft «Ich kann endlich so lange shoppen, wie ich will», dann ahnt man, wo die Kosten unserer hochtechnisierten Marktwirtschaft liegen: in Innovationen, die zu bloßen...
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Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 56. Jahrgang Gegründet
von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
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Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
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Nestorst...
