München: Im Nebelregen
Vielinszenierer im besten Alter packt ab und an die Sehnsucht, mal alles ganz anders zu machen. So hat Stephan Kimmig seit einiger Zeit den Tanz als Ausdrucksform für seine Schauspielinszenierungen entdeckt, und umgekehrt rückte nun der notorische Körperspieler und Slapstick-Liebhaber Andreas Kriegenburg die gebundene Sprache ins Zentrum seiner neuesten Arbeit an den Münchner Kammerspielen.
«Wir haben uns für die Mühe und Fleißarbeit entschieden, den Vers als Form zu akzeptieren», heißt es im Programmheft.
Das klingt fast wie eine Drohung – oder Verheißung, jedenfalls für diejenigen, die sich gern über angeblich textverhunzende Regiestars aufregen. Zumindest gehört Mut zu so einem Statement, und es lässt aufhorchen, wenn einer wie Kriegenburg, dem man sicherlich keine obskure Werktreue-Affinität nachsagen kann, es seiner Auseinandersetzung mit Schillers «Maria Stuart» voranstellt. Herausgekommen ist dabei ein Abend, dem, mal abgesehen vom weitgehend makellos perlenden Blankvers, doch auch insgesamt ein gewisses ästhetisches Rollback anhaftet, was allerdings nicht so sehr mit der Sprache als mit der Spiel- und Bildebene zu tun hat.
Denn die haben der Bühnenbildner Kriegenburg und ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Silvia Stammen
Schon im Foyer des Theaters begrüßt die Besucher Musik aus der guten alten FDJ-Zeit und setzt damit eine erste Duftmarke, was an diesem Abend, 25 Jahre nach der friedlichen Revolution, verhandelt wird: deutsch-deutsche Zeitgeschichte. Das war dem Theater Görlitz-Zittau sogar einen Schreibauftrag wert: «Indianer». Oliver Bukowski, der 1993 mit «Londn – LÄ –...
Entweder lebst du hier und hast dich nun eingewöhnt oder du gehst fort von hier und hast es so gewollt oder du stirbst und hast es geschafft. Darüber hinaus gibt es nichts. Sei also heiteren Gemüts.»
Das wäre doch mal ein Spielzeitmotto: Dar-über hinaus gibt es nichts. Sei also heiteren Gemüts! Der 2000 Jahre alte Aphorismus des stoischen römischen...
Ungerufen steht sie da, wie aus dem Boden gewachsen. Yvonne, die Burgunderprinzessin. Die Hässlichkeit in Person. Ein ferkelrosafarbenes Hängerchen wölbt sich über fassrundem Bauch. Aus dem mit weißer Spitze verkleideten Ausschnitt wächst ein kurzer Hals, darauf sitzt der kräftige Schädel von Gottfried Breitfuss. Unter seiner lächerlich blonden Pagenschnitt-Perücke...
