Die Klarheit des Blicks
Juni 2010, «Der nackte Wahnsinn» von Michael Frayn, Premiere. Zweiter Akt, das Publikum sitzt auf der Bühne und blickt – immer dann, wenn die Türen in diesem Türenstück sich öffnen – von hinten durch die Bühne auf der Bühne in den leeren Zuschauerraum. Da sitzt ganz allein, als einzige Zuschauerin des Stücks im Stück, die Intendantin und Regisseurin des Abends. Die Schauspieler sollen nicht das Gefühl haben, es sähe ihnen niemand zu, wenn sie zum Zuschauerraum hin, also da, wo eigentlich leere Reihen klaffen, die «Nackten Tatsachen» spielen.
Vielleicht sollte man den Symbolwert dieses Bildes nicht überbewerten. Aber vermutlich hat es sich nicht zufällig eingeprägt. Amélie Niermeyer als die treueste und ausdauerndste Zuschauerin ihres eigenen Theaters, eine fürsorgliche Behüterin ihres Ensembles – und manchmal ein wenig einsam und verloren in der Weite des Parketts. 1200 Zuschauer haben damals, vor der Renovierung, noch hineingepasst ins Große Haus. So ein Raum ist schwer zu füllen, und noch schwerer ist es, das Publikum in diesem Saal, den man sich auch als Forum für einen Parteitag vorstellen könnte, anders zu begeistern als mit einem krachenden Spektakel. Was allerdings nicht nur ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Bilanzen, Seite 66
von Martin Krumbholz
In seinem Erstlingswerk «Krauses Erzählungen» stellt sich der 31-jährige Daniel Gurnhofer – Doktorand der Erziehungswissenschaften – einen «arbeitslosen Melancholiker» namens Krause vor, der seit zehn Monaten seine Wohnung nicht verlassen hat. Infolge ausufernden Drogenkonsums wird Krause in seiner mit Pizzakartons zugemüllten Bude, die wiederum dem Regisseur...
Gerhard Preusser Herr Weise, Sie haben erklärt, für eine Verlängerung Ihres Vertrages als Generalintendant der Bonner Bühnen nach 2013 nicht mehr zur Verfügung zu stehen.
Klaus Weise In meiner Zeit als Generalintendant wurden vierzehn Millionen per annum weniger an Finanzierung ans Theater gegeben. Das bedeutet einen Verlust von 230 Mitarbeitern. Ich hätte nach...
Und wenn ich einmal traurig bin,
dann trink ich einen Korn.
Und wenn ich dann noch traurig bin,
dann trink ich noch nen Korn.
Und wenn ich dann noch traurig bin,
dann fang ich an von vorn!»
Dies ist ein Lied, das alle Freunde von Norbert Schwientek kennen. Dieses und wo er es sang, stimmten alle, die mit ihm am Tisch saßen, ein. Nicht unisono, auch nicht dem Wohlklang...
