Die Entzauberung der Avantgarde
Vor das Entree der Bochumer Jahrhunderthalle schiebt sich wie ein Keil ein zehn Meter hoher schmaler, lichtweißer Treppenbau, der gleich von den Besuchern bunt besetzt wird. Die von Mischa Kuball entworfene Frei- und Showtreppe sorgt gewissermaßen für eine Umkehrung der Verhältnisse.
Nicht Stars und Künstler absolvieren auf dieser «Agora Arena» ihren Auftritt, sondern das Publikum nimmt auf der steilen Rampe den Beobachterposten ein, ganz gemäß dem Willen von Ruhrtriennale-Intendant Heiner Goebbels nach einer demokratischen, vorurteils- und voraussetzungsfreien Betrachtung der Aufführungen. Und mehr als das: Man wird animiert, Akteur oder wenigstens sein eigener Imaginations-Produzent zu sein. Dabeisein auf Augenhöhe.
Das NRW-Festival feiert sich unter seinem vierten Intendanten in dessen zweiter Saison als fröhliche Kulturwissenschaft. Nicht ohne parallel den Arbeits- und Werkcharakter zu betonen und sich auf das Malochertum im Revier zu beziehen. Das 20-köpfige Kölner Ensemble «musikFabrik» in der von Goebbels selbst eingerichteten, in Europa erstmals gezeigten Produktion von Harry Partchs ritualartiger Komposition «Delusion of the Fury» von 1966 trägt Arbeitskluft und Helme mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2013
Rubrik: Festival, Seite 30
von Andreas Wilink
Eigentlich wollte Carsten Lusch endlich Schluss machen. Nachdem er sich zuletzt ein Haus von einem Bauunternehmer schenken ließ, ist seine Karriere als Energieminister passé. Ein Journalist, mit dem dann auch noch seine Frau durchbrannte, hat die korrupten Seilschaften aufgedeckt. Nun sitzt der gestrauchelte Phrasendrescher hinter der Glanzfassade seines schmucken...
Neustarts, erste Runde:
Drei Regisseurs-Intendanten geben sich die Ehre. In Köln stürzt sich Stefan Bachmann in einen «Streik», in Stuttgart inszeniert Armin Petras Fritz Katers «5 morgen», und in Leipzig stellt sich Enrico Lübbe mit «Emilia Galotti» vor.
Zum Tod des großen Heiner-Müller-Exegeten und Schauspieler-Verehrers Dimiter Gotscheff: Nachrufe und...
Mit dieser Rede hätte er sich den Rest gegeben, wäre nicht ohnehin schon alles verloren und Dantons Tod längst ein abgekartetes Spiel der jakobinischen Tugendmafia. Der niederländische Film- und Bühnenstar Pierre Bokma bürstet die Titelrolle in Johan Simons’ Büchner-Inszenierung zur Spielzeiteröffnung an den Münchner Kammerspielen ganz gewollt gegen den Strich: als...
