Gedankenspiele und Körperfragen

An den Münchner Kammerspielen eröffnet Johan Simons die Spielzeit mit neuen Gedanken zu «Dantons Tod», Thomas Schmauser taucht im Werkraum mit «Erklär mir, Leben» in die Abgründe eines uralten Geschäfts mit dem Schmerz

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Mit dieser Rede hätte er sich den Rest gegeben, wäre nicht ohnehin schon alles verloren und Dantons Tod längst ein abgekartetes Spiel der jakobinischen Tugendmafia. Der niederländische Film- und Bühnenstar Pierre Bokma bürstet die Titelrolle in Johan Simons’ Büchner-Inszenierung zur Spielzeiteröffnung an den Münchner Kammerspielen ganz gewollt gegen den Strich: als depressive Jammergestalt mit Motivationsblockade und Realitätsverlust.

Bei seinem Verteidigungsauftritt vor dem Revolutionstribunal ist nicht einmal mehr der Schatten des rhetorischen Charismatikers zu er­ahnen, stattdessen brabbelt ein weinerliches Wrack schluchzend vor sich hin, das sein eigenes Gekritzel selbst mit Brille kaum entziffern kann. Revolutionen entstehen vielleicht im Kopf, doch letztendlich sind sie vor allem auch eine Sache des Körpers. Wenn die Nerven im entscheidenden Moment versagen, bleibt eben auch der Rest auf der Strecke.

Als Georg Büchner Anfang 1835 gerade mal 21-jährig das Drama «Dantons Tod» verfasste, musste er selbst jeden Moment mit seiner Verhaftung rechnen. Die Gründung einer geheimen «Gesellschaft für Menschenrechte» und die Veröffentlichung des «Hessischen Landboten» mit dem ...

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Theater heute November 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen

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