Die CIA lässt (nicht) grüßen
Bernd Stegemanns «Lob des Realismus» ist eine ausgedehnte Polemik gegen eine Hydra, die viele Köpfe hat: die «Avantgarden», angefangen mit Malevitsch und Duchamp, die abstrakten Expressionisten, etwa Jackson Pollock, John Cage, die «zähen Nebel des Relativismus und der Kontingenz», vor allem aber das, worin seiner Darstellung zufolge das verhängnisvolle 20. Jahrhundert gipfelte, «die Postmoderne».
Sie wird in diesem Buch in etwa als das beschrieben, was den Nationalsozialisten die «jüdisch-bolschewistische Kulturvergiftung» und den Stalinisten der «Formalismus» war: Mit dem neoliberalen Kapitalismus im Bunde hält dieses Ungeheuer die Menschen davon ab, sich mit den Widersprüchen ihrer sozialen Realität zu beschäftigen.
Den Avantgarden des 20. Jahrhunderts wird in Stegemanns Buch deshalb im Namen des 19. Jahrhunderts mehr oder weniger pauschal und unisono der Kampf angesagt. Und man ahnt nur, woher der Furor herrühren könnte, die blinde Wut, mit der Stegemann gegen einen immer neu in größtmöglicher Pauschalisierung zum Hauptfeind erkorenen Gegner aus Theorie und Künsten ins Feld zieht: Es scheint ihm im ganzen Buch um nichts anderes als um eine Verteidigung des traditionellen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Bücher, Seite 55
von Nikolaus Müller-Schöll
Auch heute, Wochen später: Ich fahre in der Zürcher Straßenbahn zur Arbeit am anderen Ende der Stadt. Nach fünf Minuten schau ich mich um und zähle die Mitfahrenden und darauf jene, die nicht auf ihr Handy schauen. Dann zähle ich jene, die sich mit anderen Mitfahrenden unterhalten. Die Zahlen notiere ich auf meinem Handy – klar –, das mir sofort die Prozente...
Bisher galt die Schweiz als Insel der Kulturglückseligen. Mit Basel als sicherem Grenzhafen. Theatermacher, die hier andocken wollen, auch aus dem Ausland, müssen in erster Linie Qualität beweisen, und nicht so sehr ihre private finanzielle Leidensfähigkeit. Zumindest ist das in den letzten zwei Jahrzehnten so gewesen.
Seit wenigen Wochen wissen plötzlich auch die...
Vor vier Jahren kam ein weißes Köfferchen auf den Markt, genannt der «Choreografische Baukasten». Seine Handgepäckgröße legte eine Erste-Hilfe-Box ebenso nahe wie ein hübsches Gesellschaftsspiel. Nichts von beidem war drin, denn entwickelt hat ihn ein Fachgremium unter Leitung der Hamburger Universitätsprofessorin Gabriele Klein. Man staunte aber, hatte so etwas...
