Die Schweizer Schweiger
Auch heute, Wochen später: Ich fahre in der Zürcher Straßenbahn zur Arbeit am anderen Ende der Stadt. Nach fünf Minuten schau ich mich um und zähle die Mitfahrenden und darauf jene, die nicht auf ihr Handy schauen. Dann zähle ich jene, die sich mit anderen Mitfahrenden unterhalten. Die Zahlen notiere ich auf meinem Handy – klar –, das mir sofort die Prozente liefert: 73 Prozent Handygucker und 2,5 Prozent Schwätzer (davon 50 Prozent englisch).
Begonnen habe ich mit dieser Zählerei nach Lukas Bärfuss’ Warnruf «Die Schweiz ist des Wahnsinns» vom 15.10. in der FAZ.
Er bereitet darin die deutschen Leser auf den absehbaren massiven Rechtsrutsch in den bevorstehenden eidgenössischen Parlamentswahlen vor und beklagt unter anderem, dass im Wahlkampf «nach wie vor am lautesten das Schweigen über das Verhältnis zur Europäischen Union» sei.
Vielleicht war es diese Aussage, die mich zur statistischen Beobachtung der Tramfahrenden trieb. Denn es ist das schweizerische Schweigen an und für sich, das mich seit meinen ersten bewussten Gesprächserlebnissen irritiert, also seit einem halben Jahrhundert. Dieses stumme Hocken äußert sich in öffentlichen Verkehrsmitteln eklatant aufdringlich. Klar, in ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Demokratie Schweiz, Seite 34
von Res Bosshart
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