Das Theater behindern

Kontroverse Perspektiven auf Jérôme Bels «Disabled Theater»

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Je mehr ich mich bemüht habe, desto weniger konnten sie es ertragen. Und plötzlich fühlte ich, dass ich sie genauso entfremde, wie sie im alltäglichen Leben entfremdet werden, wenn Leute sie dazu bringen, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen», erklärt der Choreograf Jérôme Bel zum Hintergrund der Inszenierung «Disabled Theater», seiner Zusammenarbeit mit dem Züricher Theater Hora und elf Schauspielern mit geistiger Behinderung.

«Aber ich habe drei Wochen gebraucht, um zu diesem Punkt zu kommen; drei Wochen, in denen ich sie dazu bringen wollte, etwas Aufwändiges, etwas Anspruchsvolles, etwas Konzeptionelles, etwas Schönes zu machen.»

Was ist schön?

Vor dem Hintergrund des Gesprächs, das Jérôme Bel mit den beiden Theaterwissenschaftlern Sandra Umathum und Benjamin Wihstutz geführt hat, erscheint sein Konzept, die Schauspieler mit geistiger Behinderung als «sie selbst» zu inszenieren, einen Moment lang völlig plau­sibel, ja geradezu notwendig. Dann aber stellt sich Irritation ein: Aus welcher Perspektive beurteilt Bel gerade, was aufwändig, anspruchsvoll oder schön ist? Wollte die Inszenierung die normativen ästhetischen Kriterien in Kunst und Gesellschaft nicht unterlaufen? Gehört ...

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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Bücher, Seite 59
von Anja Quickert

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