Der Wolf im Schafspelz
Es ist dieser Moment in Daniela Löffners angstfrei emotionaler Inszenierung von Brian Friels Turgenjew-Dramatisierung «Väter und Söhne», wenn tatsächlich jeder Widerstand bricht. Der pensionierte Militärarzt Wassilij Iwanowitsch Bazarow, ein großer Mann, der sich sehr klein fühlt und das hinter vielen Worten zu verbergen sucht, ist verstummt. Sein Sohn ist tot, Jewgeni, der jedes Gefühl verweigernde Nihilist, ein selbsternannter Ausnahmemensch, den er nicht begriff und der ihn verachtete.
Aber «irgend etwas stimmt nicht, wenn ein Vater seinen Sohn begräbt, nicht? Eine Störung der richtigen Ordnung der Dinge, nicht? So etwas dürfte nicht passieren, nicht?» Verklammert in die Hände seines Gegenübers, Arkadij, der beste Freund des toten Sohns, ringt er um Fassung. Dann kommt seine Frau, die er selbst adressiert, wenn sie gar nicht da ist – «Hab ich nicht Recht, mein Schatz?» –, sie ist im Schmerz versteinert und er fällt zurück in eine fürsorgliche Munterkeit, hilft ihr in den Stuhl und greift mit seinen langen Armen nach diesem klitzekleinen Instrument, der Ukulele, beugt den langen Rücken, bis er auf Kopfhöhe mit ihr ist, und beginnt zu singen, so zögernd und stockend und ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 29
von Barbara Burckhardt
Peer Gynt», steht auf der ersten Umschlagseite des Programmhefts, «Oder die Unmöglichkeit, Peer Gynt zu sein» auf der zweiten. «Oder wie Henrik Ibsen 1879 anfing, unglaublich tolle Frauenrollen zu schreiben», folgt auf der dritten. Schließlich ein vierter Titel-Anlauf: «Oder die Erlaubnis für Frauen, total auszurasten». In ungefähr diesen Gedankenschritten dürfte...
Zwischenrufe während einer Vorstellung können lästig sein, aber manchmal treffen sie den Kern einer Inszenierung. Der Zwischenrufer, der Hans-Werner Kroesingers Recherchestück «History Tilt» vor einigen Jahren im Berliner HAU störte (oder ergänzte), widerlegte ungewollt einige Missverständnisse zum politischen Dokumentartheater im Allgemeinen und zu Kroesingers...
Wie bleibt man anständig in einer wölfischen Zeit? Rob versucht es, aber er wird nicht belohnt. Am Anfang dieser Geschichte aus dem ersten Nachkriegswinter 1945/46 lebt er in München mit seinem Freund, dem kriegsversehrten Maler Edel, und der sich für amerikanische Offiziere prostituierenden Olga zusammen. Zwischen Rob und Olga funkt es, doch er weist ihre...
