Karlsruhe/Ludwigshafen: In einer wölfischen Zeit
Wie bleibt man anständig in einer wölfischen Zeit? Rob versucht es, aber er wird nicht belohnt. Am Anfang dieser Geschichte aus dem ersten Nachkriegswinter 1945/46 lebt er in München mit seinem Freund, dem kriegsversehrten Maler Edel, und der sich für amerikanische Offiziere prostituierenden Olga zusammen. Zwischen Rob und Olga funkt es, doch er weist ihre Annäherungen zurück – er will sie nicht benutzen, so wie alle anderen es tun. Am Ende ist Edel tot und Olga mit einem GI, der ihr ein Leben in den USA verspricht, auf und davon. Rob muss noch einmal neu anfangen.
Eigentlich kein Wunder, dass Gert Ledigs Roman «Faustrecht», der diese Geschichte erzählt, bei der Erstveröffentlichung 1957 auf wenig Gegenliebe stieß: Ledigs zwei Jahre zuvor veröffentlichtes Debüt «Die Stalinorgel» über die Kriegsschrecken an der Ostfront war ein gefeierter Überraschungserfolg gewesen, aber schon den Nachfolger «Vergeltung» (1956) über die Bombenangriffe auf Deutschland hatte die Kritik für unverdaulich befunden. Und der Trilogie-Abschluss «Faustrecht» rieb seinerzeit wohl zu viel Salz in die noch offenen Wunden des nackten Überlebenskampfes nach dem Kriegsende.
So verschwand Ledig als Autor wieder in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2016
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Andreas Jüttner
Wenn das Ende naht, schlagen die Emotionen hoch. Auf dem «Schiff der Träume», während am imaginären Horizont ein Panzerkreuzer der Österreicher aufzieht und – es ist 1914 – die Herausgabe serbischer Schiffsbrüchiger fordert, halten die Passagiere Trauerfeier für eine verehrte Opernsängerin: «Kyrie eleison», «Herr erbarme dich», tönt es aus einem Herzen, zu einem...
Erstens: W-Fragen», eröffnet der engagierte Pädagoge Stefan in Yael Ronens Stückentwicklung «The Situation» seinen Abendkurs «Deutsch als Fremdsprache» und federt motivationsunterstützend in den Knien nach. Dann wendet er sich erwartungsvoll an die israelische Kursteilnehmerin Noa: «Wer bist du?» Noa zeigt sich hoch motiviert: In einem schwer avantgardeverdächtigen...
Der Muezzin ruft. Ascheflocken rieseln auf Jerusalem. In der umkämpften Stadt verspricht das nichts Gutes, am wenigsten zu Kreuzzugzeiten. Aber der erste Bühneneindruck täuscht. Sechs Vermummte verrichten friedlich ihr Gebet, und der Ascheschnee ist vorerst Vorbote einer Heldentat: Ein Tempelritter hat ausgerechnet eine Jüdin aus einem brennenden Haus gerettet.
«Nat...
