Antipastiteller im Schiffbau Zürich; Foto: Eva Behrendt

Der Wiener zweier Herren

Mag die Kunst fein sein oder grobgehackt, milde prickelnd oder überschäumend, viele Theaterhäuser haben ein Gastronomieproblem. Ein Leidensbericht vom Pausen­büffet samt kulinarischer Expertenbefragung

Theater heute - Logo

Es war, man traut sich das heute kaum zu sagen, keineswegs alles immer gut an Frank Castorfs Berliner Volksbühne. Nehmen wir zum Beispiel die Volksbühnenbulette. Mit Schaudern erinnere ich mich an den Premierentag, an dem ich kurz vor Vorstellungsbeginn am Volksbühnenbüffett eine solche original Volksbühnenbulette verzehrte. Hellbraun war ihre Farbe, knusperzart wirkte ihr Äußeres, und mit einem Schluck Kaffee spülte ich sie in meinen knurrenden Magen.



Als es dann losging mit irgendeiner besonders brillanten Frank-Castorf-Inszenierung eines Romans von Dostojewski, den der Dichter so nie geschrieben hat, freuten sich anscheinend alle anderen Premierenbesucher über japsende Darsteller, die durch Bretterverschläge rannten, tolles Gebrüll und uralte Popmusik – nur ich hatte Schwindelgefühl und Magenschmerz. Mitten in der Vorstellung verließ ich mit grünem Gesicht meinen Platz und lief unter Entschuldigungsgenuschel toilettenwärts. So habe ich nur wegen einer unverträglichen Volksbühnenbulette einige der vermutlich genialsten Minuten der jüngeren deutschen Theatergeschichte verpasst.

Die Volksbühne der Ära Castorf ist perdu, der magenverstimmte Zuschauer dagegen fast alltägliche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2018
Rubrik: Theaterkulinarik, Seite 37
von Wolfgang Höbel

Weitere Beiträge
Festival: Der polnische Weg

Es ist eine alte Tradition des Festivals, dass sich der thematische Leitgedanke erst ergibt, wenn alle Produktionen eingeladenen sind», erklärt Programm-Direktor Tomasz Kirenczuk im Gespräch. Diese Vorgehensweise hat sich auch in diesem Jahr bewährt. Passender als «Weiter! Aber wohin?» hätte das Motto der 9. Ausgabe des internationalen Theaterfestivals Dialog, das...

Ewald Palmetshofer: Vor Sonnenaufgang

Nacht ist auch eine Sonne.
Friedrich Nietzsche


Handelnde Personen:
Egon Krause
Annemarie Krause, Egon Krauses zweite Frau
Helene, jüngere Tochter aus Krauses erster Ehe
Martha, ältere Tochter aus Krauses erster Ehe
Thomas Hoffmann, Marthas Ehemann
Alfred Loth
Dr. Peter Schimmelpfennig

Bühne:
Ein Wohnzimmer mit offener, großer Küchenzeile hinten. Eine graue Sitzlandschaft...

Postheroisches Unglück

Das «Radetzkymarsch»-Kapitel, in dem Joseph Roth einen Tag kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs aus der Sicht des Kaisers Franz Joseph I. beschreibt, ist von gemütvoller, ja geradezu zärtlicher Diktion. Ein Ton, in dem die nachlassende Lebenskraft, aber auch die weise Gelassenheit eines alten Mannes aufscheint, dessen Leidenschaften nur noch in Watte gepackt vor...