Der teuflische Gott
Manche bezeichnen Konstantin Bogomolow als billigen Schocker. Junge Kritiker sehen seine Inszenierungen drei bis vier Mal und kennen jede Szene. Konservative Dozenten an den Theaterhochschulen verschrecken ihre Studenten allein mit seinem Namen, während wiederum einige Mitglieder des Polit-Establishments (und besonders deren Glamour-Ehefrauen) ein Wahnsinnsgeld für Eintrittskarten zu Bogomolow-Inszenierungen hinlegen.
Repräsentanten der extremistischen orthodoxen Organisation «Gottes Wille» haben versucht, seine Inszenierung von Oscar Wildes Komödie «Ein idealer Gatte» am Moskauer Künstlertheater absetzen zu lassen. Selbst der stellvertretende Kulturminister Schurawskij persönlich bat den künstlerischen Leiter Oleg Tabakow, alle Bogomolow-Inszenierungen aus dem Spielplan zu nehmen. Es ist ihm nicht gelungen.
Der Wirbel um den Philologie-Absolventen der Moskauer Staatlichen Universität, der auch an der Russischen Akademie für Theaterkunst (früher GITIS) Regie studiert hat, war nicht wirklich vorhersehbar. Von 2002 bis 2011 hat er an prestigeträchtigen Moskauer Bühnen inszeniert. Da gab es gute Schauspieler zu sehen, ab und an eine interessante Konzeption, Sprengstoff hatte aber ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Ausland, Seite 56
von Marina Davydova
Erstens: W-Fragen», eröffnet der engagierte Pädagoge Stefan in Yael Ronens Stückentwicklung «The Situation» seinen Abendkurs «Deutsch als Fremdsprache» und federt motivationsunterstützend in den Knien nach. Dann wendet er sich erwartungsvoll an die israelische Kursteilnehmerin Noa: «Wer bist du?» Noa zeigt sich hoch motiviert: In einem schwer avantgardeverdächtigen...
Es ist dieser Moment in Daniela Löffners angstfrei emotionaler Inszenierung von Brian Friels Turgenjew-Dramatisierung «Väter und Söhne», wenn tatsächlich jeder Widerstand bricht. Der pensionierte Militärarzt Wassilij Iwanowitsch Bazarow, ein großer Mann, der sich sehr klein fühlt und das hinter vielen Worten zu verbergen sucht, ist verstummt. Sein Sohn ist tot,...
Ein aufgerissenes Hemd, eine abgestreifte Hose, ein kurzes Stöhnen. Dann liegen sie wieder da auf ihrem Luxussofa ohne eine Idee, wie die Restzeit totzuschlagen sei – für immer und ewig. Hedda verdreht die Augen überm Wonnemund, Jörgen schaut verlegen weg, und vorbei ist es mit der Intimität des Scheinehepaars. Denn im Kleinen Haus des Staatstheaters Wiesbaden...
