Der Blitz auf der Schaukel
Nach allem, was man von Schillers «Don Carlos» weiß, waren «die schönen Tage von Aranjuez», die zu Beginn des Dramas bekanntlich zu Ende sind, nicht besonders schön. Denn «Eure königliche Hoheit verlassen es nicht heiterer. Wir sind vergebens hier gewesen». Wer das sagt, ist übrigens nicht Prinz Carlos und auch nicht die von ihm geliebte Königin Elisabeth, sondern Domingo, der Beichtvater des Königs und ein ziemlich finsterer katholischer Strippenzieher.
Und was er mit den «schönen Tagen» eröffnen will, so wie man erstmal unverfänglich «gutes Wetter, heute» sagt, ist nichts anderes als ein Verhör. Gleich darauf wird er konkret: «Brechen Sie dies rätselhafte Schweigen, öffnen Sie Ihr Herz.» Was den so an- und ausgefragten Prinz zu ersten voltenreichen Windungen in einem windungs- und voltenreichen Stück veranlasst.
Man tut also sicher nicht falsch daran, Peter Handkes neues Stück «Die schönen Tage von Aranjuez» ein bisschen genauer und hintergründiger zu lesen, als es der erste Anschein nahelegt. Zumal es sich offenbar ebenfalls um ein Verhör handelt, allerdings um ein schon länger vereinbartes. «Wer macht den Anfang?», fragt der «Mann». «Du. So war es gedacht», antwortet die Frau. ...
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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 33
von Franz Wille
Oh, schau mal, wie süß», geht ein Raunen durchs Publikum. Die Lichtinseln der Kamera-Displays beginnen hellblau zu leuchten. Auf die Bühne tapsen drei siebenjährige Haselmäuse und lauschen unterm Papp-Haselnussbaum einigermaßen orientierungslos den vorproduzierten Märchen-Erzählstimmen aus dem Off. Total süß, wie sie das mit dem Tanz noch nicht so richtig auf die...
Es ist vor allem seine Art zu sprechen, die in Erinnerung bleibt: weich und so freundlich, dass die Stimme heller wirkt, als sie ist, dazu der spezifisch münchnerische Einschlag. Rainer Werner Fassbinder erklärt politisch reflektiert, unprätentiös und so gar nicht enfant-terriblehaft, etwa, dass «antiteater», der Name seiner zweiten Truppe in München, «für eine...
Es fühlt sich fast wie ein Wiedersehen an: Über weite Strecken der hundertminütigen Dokumentation «Das Knistern der Zeit» ist Christoph Schlingensief im Bild – dünn, ergraut und von der Krankheit bereits gezeichnet, aber sprudelnd vor Mitteilsamkeit und Tatendrang. Sibylle Dahrendorf hat den Künstler und Regisseur zu seinem Vermächtnis, dem «Operndorf»-Projekt nach...
