Dokumentation: Kindliche Freude

Sibylle Dahrendorfs Film «Das Knistern der Zeit» dokumentiert Christoph Schlingensiefs letztes Projekt

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Es fühlt sich fast wie ein Wiedersehen an: Über weite Strecken der hundertminütigen Dokumentation «Das Knistern der Zeit» ist Christoph Schlingensief im Bild – dünn, ergraut und von der Krankheit bereits gezeichnet, aber sprudelnd vor Mitteilsamkeit und Tatendrang.

Sibylle Dahrendorf hat den Künstler und Regisseur zu seinem Vermächtnis, dem «Operndorf»-Projekt nach Burkina Faso, begleitet, ist ihm auf der Suche nach dem geeigneten Ort auf Brachen und in die Savanne gefolgt, beobachtet ihn im Gespräch mit Mitarbeitern, auf der Baustelle und bei den Proben zu «Via Intolleranza II» und schaut ihm immer wieder beim Filmen mit der Digitalkamera oder dem Handy zu.

Schlingensiefs Afrika-Begeisterung, das zeigt Dahrendorfs Dokumentation teilweise wohl auch unfreiwillig, war eine durchaus ambivalente Angelegenheit. In seiner Rede zur Grundsteinlegung etwa malt Schlingensief sich aus, wie man dort künftig vielleicht eine Opernsängerin erwarten, tatsächlich aber den Schrei eines Neugeborenen auf der miteingeplanten Kran­kenstation zu hören bekommen wer­de. Das ist natürlich reinster Afrika-Kitsch – der schwarze Kontinent als Gegenentwurf zum Westen, als das Ursprüngliche, durch keine Bildung ...

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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Eva Behrendt

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