Auf Augenhöhe
Wolfgang Wiens ist tot. Mit ihm ist eine der letzten großen Dramaturgen–persönlichkeiten gegangen. Er war kein Feuilletonist, kein Philosoph, kein Künstler-Bohemien, sah sich nicht als Regisseur (obwohl er gelegentlich als solcher arbeitete), war kein Theaterautor, kein Kunst-Ideologe, kein Weltverbesserer, kein Kurator oder Diskursspezialist. Nein, er leistete als «geschäftsführender Dramaturg», so sein Titel am Burgtheater, auf der Brücke Dienst und Punkt.
Auf der Theaterbrücke hätte man ihn – physisch oder auch nur im Geiste – gern mit Helmut Schmidt fotographieren wollen, einem anderen Hamburger: vereint in der Leidenschaft zu Zigarette und unterkühlter Sachlichkeit. Dramaturg sein bedeutete für ihn zuallererst und vor allem: Handwerk. Ihn interessierte nur die Sache selbst, und das hieß für ihn: Literatur und ihre Umsetzung auf der Bühne. In der logischen Folge hinterlässt er fast nichts – keine Essays, keine Bücher, keine Literatur.
Er kam vom Wort zur Bühne. Und da hat er einiges hinterlassen: Fassungen, Übersetzungen und nicht zuletzt Tausende von Lektoraten über neue, oft unaufgefordert eingesandte Stücke, die heute niemand mehr schreibt. Obwohl ihm klar war, dass kaum ...
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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Akteure, Seite 43
von Joachim Lux
Theater heute Die Kulturstiftung des Bundes hat nach dem Förderprogramm «Heimspiel», das die deutschen Stadttheater zu Partizipationsprojekten angeregt hat, und nach «Wanderlust», das internationale Partnerschaften unterstützte, jetzt das Programm «Doppelpass» ins Leben gerufen. Was haben sich denn die Wander-, Spiel- und Sportsfreunde der Stiftung da wieder...
Wanderbühnen haben in der deutschen Kulturhistoriografie irgendwie seit jeher einen ruinierten Ruf. Noch heute wird zum Beispiel auf Wikipedia der Schmäh der Literatur–wissenschaft nachgedichtet, dass sie, statt sich künstlerisch an der Identitätsbildung des Bürgertums zu beteiligen, die Ungebildeten in Stadt und Land mit Unterhaltung versorgten.
Die Tradition, in...
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