Der badische Renditebürger
Wir sind im Nordschwarzwald, der ganz plötzlich zu einem Arizona für arme Badener wird. Der Grund ist dieser Dauerpraktikant Friedrich, der eine Goldader irgendwo im dunklen Forst erfindet, eine Superrendite verspricht und die imaginäre Wertschöpfungskette dem Chef seiner letzten Praktikumsfirma verkauft. Auf Dauer kann das nicht funktionieren, also versucht Friedrich, die Blähungen der Blase abzumildern. Das Resultat ist eine Komödie, die nicht zuletzt deshalb funktioniert, weil das Sujet des gestressten Zauberlehrlings an sich schon überaus komisch ist.
Wie kein zweiter seiner Generation kann Philipp Löhle aus einem globalisierungskritischen Tableau eine leichthändige Farce machen. «supernova» wartet allerdings auch mit einer für Löhle neuen Erzählebene auf. Plötzlich entdeckt Friedrichs Mutter die «körperliche Liebe in Zeiten der Faltenbildung» und interessiert sich zu allem Überfluss auch noch für die regionale Geschichte. Da kann es nicht ausbleiben, dass sie auf Friedrich Karl Franz Hecker stößt, der 1848 mit seinen Freischärlern gegen die Residenz in Karlsruhe zog und den Mythos von der einzigen deutschen Revolution begründete. Ganz gelungen ist das nicht, weil die ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Nationaltheater Mannheim, Seite 32
von Jürgen Berger
Alles wegen einer Ananas: Weil der vom Hunger geplagte Severin beim Überfall auf ein
Lebensmittelgeschäft nicht nach Brot oder Schinken, sondern nach der verlockenden Südfrucht greift, kommt ein zunehmend aberwitziges Geschehen in Gang. Nach drei Akten, vielen Bildern und mancher abrupten Schicksalswende liegen sich der Räuber und sein Verfolger, Landgendarm Olim,...
André Müller hat seine Gespräche mit Künstlern oder Theaterleuten nie autorisieren lassen. Gegenlesen gab es nicht, man musste ihm schon vertrauen. Aber das war meist kein Problem, weil Vertrauenschaffen die Grundbedingung war für seine Art des Gedanken-austauschs, der weiter ging als jedes übliche Verlautbarungsgerede. «André Müller geht gleich ganz in die...
Akklimatisiert hat er sich bereits mit einer kulinarisch angereicherten Ensemble-Fortsetzungs-Lesung von Lion Feuchtwangers München-Roman «Erfolg», die schon nach wenigen Terminen Kultstatus genoß. Nun wagt sich Johan Simons, seit einem halben Jahr Intendant der Münchner Kammerspiele, mit einem Abend über Ludwig II. ans Eingemachte bayerischer Selbstherrlichkeit,...
