Über allen Gipfeln
Alles wegen einer Ananas: Weil der vom Hunger geplagte Severin beim Überfall auf ein
Lebensmittelgeschäft nicht nach Brot oder Schinken, sondern nach der verlockenden Südfrucht greift, kommt ein zunehmend aberwitziges Geschehen in Gang. Nach drei Akten, vielen Bildern und mancher abrupten Schicksalswende liegen sich der Räuber und sein Verfolger, Landgendarm Olim, frierend und mittellos in den Armen, um sich im Silbersee zu ertränken.
Aber wundersamerweise hat das stehende Gewässer Mitleid, friert zu und erlaubt den beiden eine harmonieumwölkte Flucht in ein besseres Leben, ohne dass genauer gesagt werden könnte, wo oder wie es zu finden sei.
Georg Kaisers sprunghaftes Spätwerk «Der Silbersee» rührt zusammen, was nur selten
zusammen passt: Operette und Sozialdrama, starken Plot und schwache Auflösung, O-Mensch-Pathos und Parodie, auswegloses Elend und absurde Hoffnung. Die dramatische Verzweiflungstat eines aus der Zeit gefallenen Stückeschreibers, der sich in der Zusammenarbeit mit dem jungen Erfolgskomponisten Kurt Weill in eine ähnlich diffuse Hoffnung gestürzt haben mag wie seine beiden Protagonisten.
In Hannover hat sich Schauspielintendant Lars-Ole Walburg des gnädig ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Franz Wille
Der 1968 im libanesischen Deir-el-Kamar geborene Autor und Regisseur widmete sich
in seinen bisherigen Theatertexten der eigenen Familiengeschichte und dem sich darin spiegelnden Nahostkonflikt. Das ist auch in «Küste» so, einem Stück, das Wajdi Mouawad 1997 in Montreal zur Uraufführung gebracht hat. Im Kern des Stücks steht Wilfried, dessen französische Mutter bei...
Liebe Redaktion,
ich muss leider passen. Denke seit einigen Tagen herum, aber soooo richtig fällt mir nichts ein. Zumindest habe ich immer gleich schon selbst überzeugende Gegenargumente. Elfriede Jelineks «Werk/Bau/Sturz» in Köln, ja, aber wollen wir zweimal Jelinek? Christine Dössel hat die Auswahl von München gut begründet. Philipp Löhles «supernova» in Mannheim,...
Und dann, als sich die Applausordnung zerstreut und die Akteure hinter die Bühne strömen, ist sie noch einmal da, diese eigentümliche schwebende Bewegung. Wie ein Eiskunstläufer gleitet er die steile Showtreppe hinauf. Gelöst beinah. Nur der Oberkörper unter seinem braunen, etwas steifen Sakko, der will so gar nicht hoch. Der beugt sich leicht vor, die Arme...
