Der König von der traurigen Gestalt und die schöne Leich’
Akklimatisiert hat er sich bereits mit einer kulinarisch angereicherten Ensemble-Fortsetzungs-Lesung von Lion Feuchtwangers München-Roman «Erfolg», die schon nach wenigen Terminen Kultstatus genoß. Nun wagt sich Johan Simons, seit einem halben Jahr Intendant der Münchner Kammerspiele, mit einem Abend über Ludwig II. ans Eingemachte bayerischer Selbstherrlichkeit, ein Unterfangen, bei dem man sich angesichts erbitterter Grabenkämpfe zwischen erzkonservativen Königstreuen und kitschbeflissenen Fremdenverkehrsbeauftragten sehr leicht künstlerisch eine blaublutige Nase holen kann.
Doch manchmal muss bekanntlich erst ein Fremder kommen, um einen ganz anderen, erhellenden Blick auf das Vertraute zu werfen. So unternahm jetzt der belgische Regisseur Ivo van Hove anhand des Drehbuchs zu Luchino Viscontis Ludwig-Film aus dem Jahr 1972 einen neuen Anlauf – und der Eindruck, den man dabei von dem königlichen Kunstjunkie gewinnt, ist vor allem dank der ästhetischen Reduktion tatsächlich so ungewohnt wie der von der dunklen Seite des Mondes.
Kein Kini-Kitsch: Ivo van Hoves Blick
Noch nie hat das Münchner Publikum die Gestalt seines Märchenkönigs so ungeschönt und unverkitscht dargestellt ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 40
von Silvia Stammen
Der 1968 im libanesischen Deir-el-Kamar geborene Autor und Regisseur widmete sich
in seinen bisherigen Theatertexten der eigenen Familiengeschichte und dem sich darin spiegelnden Nahostkonflikt. Das ist auch in «Küste» so, einem Stück, das Wajdi Mouawad 1997 in Montreal zur Uraufführung gebracht hat. Im Kern des Stücks steht Wilfried, dessen französische Mutter bei...
Zwei Königinnen auf einer großen Bühne, getrennt durch eine Wand, ausladend Platz für beide: der Idealzustand. Weil es aber in Michael Thalheimers Planspiel nach Schiller kein gerechtes Teilen von Macht, Gunst und Einfluss geben kann, verharrt Olaf Altmanns riesige schwarze Trennwand nicht in der Bühnenmitte, sondern dreht mal schräg nach links, mal nach rechts,...
Das ist die Grundfrage am Anfang jedes Stückeschreibens: Guck ich rein oder raus? Rein ins Dunkle des scheinbar heilen Familienlebens oder raus in die Welt, auch kein erfreulicher Anblick? In Bochum begibt sich Reto Finger ins «Haus am See», wo sich die erweiterte Familie alljährlich trifft und es diesmal mit einem unerwarteten Gast ans Eingemachte geht (R: Anselm...
