Tableaux der Deformation
Zwei Königinnen auf einer großen Bühne, getrennt durch eine Wand, ausladend Platz für beide: der Idealzustand. Weil es aber in Michael Thalheimers Planspiel nach Schiller kein gerechtes Teilen von Macht, Gunst und Einfluss geben kann, verharrt Olaf Altmanns riesige schwarze Trennwand nicht in der Bühnenmitte, sondern dreht mal schräg nach links, mal nach rechts, verkleinert bzw. vergrößert den Spielraum der jeweiligen Königin. Immer wieder wird eine der beiden an den Rand gedrängt, bleibt aber präsent, auch wenn die Szene gerade der anderen gehört.
Schicksalhaft sind die beiden miteinander verbunden. «Schwester» wird Maria, die schottische Königin, später Elisabeth, die Regentin von England, nennen, um die Ranggleichheit und die entfernte Verwandtschaft zu betonen. Aber von Anfang an lässt Bert Wrede bedrohliche Gitarrenklänge durch den Raum hallen. Klar, dass das Ganze kein gutes Ende nehmen wird.
Thalheimer hat Schillers großes politisches Drama nicht entkernt, aber zumindest entschlackt. Die meisten Nebenfiguren sind gestrichen, und deshalb muss besonders Valery Tscheplanowas der Verschwörung angeklagte Maria Stuart die meiste Zeit allein für sich
einstehen. Im edelschlichten ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Paula van Bergen
Am 4. April 2011 wurde Juliano Mer Khamis, 52, vor seinem Freedom Theatre im Flüchtlingslager von Jenin von einem maskierten Täter erschossen. Der Mann sprach ihn an, Juliano ließ seine Fensterscheibe herunter und wurde mit mehreren Schüsse regelrecht hingerichtet. Auf dem Beifahrersitz befand sich sein einjähriger Sohn auf dem Schoß des Kindermädchens, das an der...
Und dann, als sich die Applausordnung zerstreut und die Akteure hinter die Bühne strömen, ist sie noch einmal da, diese eigentümliche schwebende Bewegung. Wie ein Eiskunstläufer gleitet er die steile Showtreppe hinauf. Gelöst beinah. Nur der Oberkörper unter seinem braunen, etwas steifen Sakko, der will so gar nicht hoch. Der beugt sich leicht vor, die Arme...
Etwas vom Äpfel-und-Birnen-Vergleich haf-tet dem Körber Studio Junge Regie in der Gaußstraße in Hamburg jedes Jahr an: Die Performance-Brutstätten Hildesheim und Gießen und beispielsweise das Salzburger Mozarteum mit seinem klassischen Schauspielbegriff liegen in ihrem Selbstverständnis auf denkbar weit entfernten Theaterplaneten – die sich dieses Jahr mehr denn je...
