Generation Ego-Shooter?

Nicht nur: Das 8. Körber Studio Junge Regie zwischen Performance, Sprachreflektion und Dokutheater kürt einen würdigen Sieger

Theater heute - Logo

Etwas vom Äpfel-und-Birnen-Vergleich haf-tet dem Körber Studio Junge Regie in der Gaußstraße in Hamburg jedes Jahr an: Die Performance-Brutstätten Hildesheim und Gießen und beispielsweise das Salzburger Mozarteum mit seinem klassischen Schauspielbegriff liegen in ihrem Selbstverständnis auf denkbar weit entfernten Theaterplaneten – die sich dieses Jahr mehr denn je aufeinander zu bewegten.



Denn ob diskurserprobtes Reflektionstheater oder in Figuren aufgehendes Repräsentations­spiel – ein gemeinsamer Nenner einte den Großteil der zwölf angetretenen Produktionen einer jungen Generation, die sich in einem der zahlreichen Gespräche selbst als «Ego-Shooter» bezeichnete: ein hohes Maß an Selbstreferen­zialität. Katharina Cromme von der Zürcher Hochschule der Künste brachte die allgegenwärtige Reflektion der Mittel unmittelbar ins Spiel: Beim von ihr selbst verfassten Text «Romantik ist ein Frauenporno» lief ein absurdes Regelwerk der Postdramatik als Leuchtschrift neben der Szene, während die Spielformen der ironischen Authentizität durchdekliniert wurden. Die Regeln gipfelten in der Regel, auf jeden Fall die Regel zu brechen. Im zweiten Teil ihrer Arbeit wurde der Versuch, endlich doch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Aufführungen

Nein, es ist keine Romanbearbeitung, mit der Michael Thalheimer seine erste Regie an der Berliner Schaubühne vorstellt. Der Großromancier Lew Tolstoi hat 1886 mit «Die Macht der Finsternis» ein veritab­les Drama, fünf Frauen, sechs Männer, um die Gier, das Geld und den Tod geschrieben. Sechs Jahre früher hat der sehr junge Kollege Tschechow seinen müden...

Rausch und Renitenz

Es war 1995 bei den Proben zu «Nibelungen – Born Bad». Herbert Fritsch, der den Hagen spielte, hatte sich als Kostüm ein Kettenhemd­röckchen, langes Blondhaar und schwarze Strumpfhosen ausgesucht. Als besonderen Clou bestellte er in der Schlosserei für jeden Auftritt ein immer größeres Schwert, das er schließlich in voller Bühnenbreite über die Szene schleifte. Da...

Der König von der traurigen Gestalt und die schöne Leich’

Akklimatisiert hat er sich bereits mit einer kulinarisch angereicherten Ensemble-Fortsetzungs-Lesung von Lion Feuchtwan­gers München-Roman «Erfolg», die schon nach wenigen Terminen Kultstatus genoß. Nun wagt sich Johan Simons, seit einem halben Jahr Intendant der Münchner Kammerspiele, mit einem Abend über Ludwig II. ans Eingemachte bayerischer Selbstherrlichkeit,...