Debatte: Mehr Edelmut!
Hippiekitsch!» – «Petit Bourgeois!»: Das war so die Munition, die sich die Kontrahenten auf dem Höhepunkt der von Patrick Wildermann moderierten Diskussion an die heiß geredeten Köpfe knallten. Als Letzterer wurde der Kunsthistoriker und Co-Kurator der HAU-Veranstaltungsreihe «Phantasma und Politik» Helmut Draxler belächelt, der in seinem Eröffnungsvortrag differenziert die Debatte umrissen hatte: «Das Recht der Kunst» ist im Deutschen doppeldeutig, bezieht sich gleichermaßen auf Möglichkeiten (im Sinne von Ermächtigung) wie Limitierungen (im Sinne von Gesetz).
Politische Aktionskunst, überhaupt über den Kunstrahmen hinaus in die Realität eingreifende Kunstformen, haben in letzter Zeit wieder besondere Konjunktur. In der laufenden Spielzeit erregte vor allem der den Ausschluss von Flüchtlingen anprangernde «Europäische Mauerfall» des Zentrums für politische Schönheit» pralle Medien-Aufmerksamkeit; Protagonist Philipp Ruch saß mit auf dem Podium. Oder auch Dries Verhoevens vorzeitig abgesetzte, privatsphärenüberschreitende Datingportal-Performance «Wanna play», nachdem sie die Berliner queere Szene in Aufregung versetzt hatte. Anfang des Jahres hatte zudem der niederländische ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Eva Behrendt
Frank Castorf setzt seine Hans-Henny-Jahnn-Wiederentdeckung fort. Auf «Richard III.»
2014 in Wien folgt das frühe Splatterdrama «Pastor Ephraim Magnus» im Hamburger
Schauspielhaus: verzweifelte Seelensucher, die sich lustvoll zerfleischen
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Man muss sich Anne Lepper als Ethnologin vorstellen. Die mit dicker Brille und vermutlich einer fetten Kladde unterm Arm die seltsamen Rituale, Äußerungen, symbolischen Ordnungen und sonstigen Alltagskram fremder Völker anguckt und mit freundlichem Interesse emsig Aufzeichnungen macht. Kleines Beispiel von der Party eines weißen Stammes in Nordrhein-Westfalen: Ein...
Man ist schlechte Nachrichten aus Afrika so gewohnt, dass gute schnell durchs Bewusstsein fallen – selbst dann, wenn ein Volk friedlich in vier Tagen seinen seit 27 Jahren regierenden, korrupten Präsidenten wegfegt, weil es Lust auf Demokratie hat. Immer noch gehört Burkina Faso zu den 15 ärmsten Ländern der Welt, nur ein Land von der Ebola-Epidemie entfernt. Das...
