Das Ochsenschwanz-Verfahren
Wenn man einen Ochsenschwanz mit etwas Salz in einen Topf voll Wasser gibt und ein paar Stunden friedlich köcheln lässt, erhält man folgendes Resultat: Das Fleisch ist zerkocht, das Wasser verdampft und am Topfboden blubbert ein Sud, der viel intensiver und aromatischer schmeckt als jedes Stück Ochse zuvor. Nach einem solchen Fond strebt auch der norwegische Dichter und Dramatiker Jon Fosse. Allerdings, das ist klar, will er nicht brave Wiederkäuer auf ihre Essenz reduzieren, sondern den Menschen – und das nicht am Küchenherd, sondern an seinem Schreibtisch.
In seinem jüngsten Stück «Schatten» ist Fosses literarische Eindampftechnik bislang am weitesten gediehen. Die sechs Figuren, die darin vorkommen, sind von jedem individuellen Merkmal befreit, von allen Sprachgirlanden gereinigt und allein durch Geschlecht und Alter (der Mann, die Frau, der Freund, das Mädchen) sowie Familienfunktion (Vater, Mutter) typisiert. «Ich habe», gab der Meister aus Norwegen kürzlich zu Protokoll, «eine Abneigung dagegen, meinen Figuren Namen zu geben, vor allem gegen die Kombination aus Vor- und Nachnamen. Ich finde dieses Benennen so reduzierend. Damit beschränkt man das menschliche Wesen immer auf ...
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Heißes Wettrennen um den Titel des besten Berichts vom miserabelsten Ehezustand: Kopf an Kopf mit den Zerrütteten aus «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» geben Strindbergs Totentänzer, Kapitän Edgar und seine Gattin Alice, keinen Zentimeter Repertoireanrecht verloren. Zwar fehlt den skandinavischen Kleinkriegern ein wenig die Hitze der Nacht, und auch der Alkohol...
Treffpunkt Münchner Hauptbahnhof, 16 Uhr am Haupteingang. Stattfinden soll hier in Kürze das Happening «Hello/ Goodbye» von Allan Kaprow aus dem Jahr 1978, reanimiert von Studenten der Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität als posthume Geisterbeschwörung beziehungsweise, wie man das heute nennt, als «Re-enactment» – eine Technik die sich als...
Ibsen groß und Ibsen klein; Ibsen oben und Ibsen unten; Ibsen fern und Ibsen nah; Ibsen light und Ibsen schwer – im Würzburger Mainfranken Theater kann man zu Beginn der neuen Spielzeit nach Bedarf ein wenig aus dem Dramenkatalog des norwegischen Dramatikers wählen: «Peer Gynt» und «Nora» hat das Theater gleichzeitig auf dem Spielplan, ein Kraftakt für ein Haus...
