Tür auf, Tür zu
Heißes Wettrennen um den Titel des besten Berichts vom miserabelsten Ehezustand: Kopf an Kopf mit den Zerrütteten aus «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» geben Strindbergs Totentänzer, Kapitän Edgar und seine Gattin Alice, keinen Zentimeter Repertoireanrecht verloren. Zwar fehlt den skandinavischen Kleinkriegern ein wenig die Hitze der Nacht, und auch der Alkohol fließt bei ihnen eher maßvoll. Dafür aber wuchern sie, inmitten einer tristen Festungsszenerie, geschickt mit protoexistenzialistischem Gedankengut und fiesen Rückblicken auf 25 Jahre Ehekrise.
Karin Henkel in Bremen packt das alles eine Nummer kleiner an. Bei Detlev Greisner und Gabriela Maria Schmeide scheint es, als sei man gerade in einen eher beiläufigen Streit hineingeraten, der noch seiner Aussprache harrt. Greisners Edgar motzt ein wenig; Alice schweigt ausgiebig; dann tritt schon bald der durch und durch brave Jugendfreund Kurt auf (Sebastian Dominik), pflückt einen Lacher vom Wegesrand («Warum hasst ihr euch so? Keine Ahnung, wir sind verheiratet») und trägt ansonsten kaum zur Stimmungsaufhellung bei.
Während man auf die gelegentlichen, aufrüttelnden Wutschübe von Schmeides Alice wartet, hat man reichlich Zeit, ...
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