«Das ganz Gemeine ists, das ewig Gestrige»
Schiller auf seinem Denkmalsockel in Weimar blickt eindeutig nach links (Goethe daneben schaut etwas unentschlossen geradeaus). Hinter den beiden an der Fassade des Nationaltheaters hängt ein riesiges Plakat mit einem durchgestrichenen Abbiegerpfeil: «Gegen Rechts». So weit politisch alles klar in der Klassiker-Stadt?
Zwei Tage in Weimar, einer davon der 70. Jahrestag der Bombardierung am 7. Februar 1945. Neonazis hatten sich angesagt zum «Trauermarsch».
Wen das schüttere völkische Völkchen da eigentlich beweinte, dürfte ihm nicht ganz bewusst gewesen sein: Die meisten Opfer der Bombenangriffe seinerzeit waren Häftlinge des KZs Buchenwald, die im Rüstungsbetrieb Gustloff arbeiten mussten. Ohnehin fielen die Marschierer nicht auf an diesem sonnigen Samstag: Hunderte gegen die Braunen und für ein «buntes Weimar» hatten sich am Bahnhofsplatz versammelt, um friedlich ein «Zeichen zu setzen». Die ganze Stadt schien wie verhängt mit Transparenten: das Theater, der Fremdenverkehrsverein, das Rathaus – alle trotzig «Gegen Rechts» und gegen «Geschichtsverfälschung». «Wir widersetzen uns», las man und «Für Weltoffenheit, kulturelle Vielfalt und Toleranz»; auf den Gehsteigen stand auf Schritt ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Bernd Noack
Der Wiener Maler und Liedermacher Arik Brauer hat in den 70er Jahren einen seiner Dialektsongs mit dem schönen Satz «Das ist ein beinhartes Protestlied» eingeleitet, und es lässt sich heute nicht mehr sicher sagen, wie ironisch das gemeint war. Fünf Jahre später, im Mai 1976, hatte die «Proletenpassion» Premiere, und man kann sagen: Das war ein beinhartes...
Bernd Noack Herr Schulz, was ist hier in Dresden eigentlich los?
Wilfried Schulz Naja, das fragen wir uns natürlich selber im Moment. Es ist wirklich eine nur sehr schwer zu verstehende Bewegung, die zwar im Kern etwas mit Dresden zu tun hat, aber natürlich nicht ausschließlich mit Dresden. Ich komme gerade aus Düsseldorf, und da finden dieselben Dinge im kleineren...
23 Jahre Volksbühne haben Spuren hinterlassen bei Frank Castorf. Man muss sich nur die beiden Porträts von Thomas Aurin auf dem Umschlag ansehen: Als 1996 die erste Ausgabe von «Die Erotik des Verrats. Gespräche mit Frank Castorf» erschien, war F.C. Mitte vierzig und guckte mit schiefer Drahtbrille im straffen Gesicht müde, konzentriert und ein bisschen spöttisch...
