Bücher: Am Gipfel

Frank Castorf alt und neu: Gespräche von 1996 und heute

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23 Jahre Volksbühne haben Spuren hinterlassen bei Frank Castorf. Man muss sich nur die beiden Porträts von Thomas Aurin auf dem Umschlag ansehen: Als 1996 die erste Ausgabe von «Die Erotik des Verrats. Gespräche mit Frank Castorf» erschien, war F.C. Mitte vierzig und guckte mit schiefer Drahtbrille im straffen Gesicht müde, konzentriert und ein bisschen spöttisch drein.

Knapp zwanzig Jahre später fordert nicht nur die Biologie ihr Recht: Um Mund und Kinn knittern allerlei unfrohe Furchen, die man lieber nicht tiefenphysiognomisch deuten möchte, und aus den verblühten Zügen wiegt schwere Herablassung. Castorf weiß um seine Wirkung: «Haben Sie sich in so vielen Jahren Volksbühne verändert?», fragt Gesprächspartner Hans-Dieter Schütt arglos. «Schauen Sie mich an», antwortet Castorf. Die Erotik des Verrats zehrt auch am Verräter.

Das darf man jetzt aber nicht persönlich nehmen. Die erwähnte Verratslust bezieht sich nicht so sehr auf Menschen, im Gegenteil. In der Volksbühne habe es für ein Theater vergleichsweise wenig Intrige und Verrat gegeben, ist nachzulesen. Jedenfalls noch 1996. Verraten werden stattdessen Konventionen, Ordnungen, die Vernunft, also die ganz großen Begriffe und ...

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Theater heute März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Franz Wille

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