Das Ende des Mythenmöglichen
So kennen die Berliner nach sechs Jahren Gorki Theater ihren nach Stuttgart scheidenden Intendanten Armin Petras, der ja auch noch Fritz Kater heißt: ein und dieselbe Person, auf strikte Trennung bedacht. Regisseur der eine, Autor der andere; Patchworker, Sampler aber alle beide, auf der Suche nach Gesellschaft und dem Wir in Geschichten von Einzelnen, sprunghaft erzählt, energetisch aufgeladen, Kater konsequent ohne Punkt und Komma, Petras von pausenloser szenischer Energie getrieben, in unerschöpflicher Stilvielfalt.
Aber das Doppel-Ich kann auch anders.
Stringent, ohne jede Abschweifung erzählt Kater im Mittelteil der szenischen Trilogie «demenz depression und revolution» kaum verhüllt, wenngleich ohne Namensnennung, vom Leben und Sterben des Torwarts Robert Enke, eine Erzählung von Leistungsdruck und Scheitern, Wiederaufstehen und Verzweiflung. Am Ende, 2009, warf er sich vor den Zug. Zur Trauerfeier versammelten sich 40.000 Menschen im Stadion in Hannover. Von Ronald Rengs Torhüter-Biografie «Ein allzu kurzes Leben», die 2010 erschien, hat sich Autor Kater wohl auch leiten lassen. Dass Teresa Enke, die Witwe des Fußballers, jetzt Juristen bemüht, weil sie nicht um die ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Barbara Burckhardt
Die erste österreichische Arbeit der israelischen Regisseurin Yael Ronen beginnt im Stil einer Fußballübertragung. Aus dem Off stellt ein Kommentator die Schauspieler vor («Birgit Stöger, die gebürtige Grazerin, die Lokalmatadorin, sie ist nach einer langen erfolgreichen Laufbahn in Deutschland und der Schweiz auf internationalem Top-Niveau zum Zweitligisten aus...
Ein eindeutiger Fehler ist es, im Bett zu fragen, was der Liebhaber denn so denke. Könnte nämlich sein, dass er ehrlich antwortet: «Eigentlich denke ich immer nur an deine Scheide.» Gut, auf empörte Nachfrage, ob das wirklich alles sei, differenziert der Mann (Samuel Weiss), manchmal denke er auch an Augen, Brüste, Schulterblätter, aber eigentlich läuft es doch...
"Verrücktes Blut» ist schuld. Mit dieser Produktion setzte das Berliner Ballhaus Naunynstraße vor zwei Jahren den Begriff «postmigrantisches Theater» auf die Agenda – Migrationsprozesse sind demnach in Deutschland abgeschlossen, bleiben aber dennoch in der Lebensrealität der Zuwanderer spürbar. Das Theater soll diese Realität sowohl inhaltlich wie ästhetisch...
