Mit dem Unterleib gedacht

Deutsches Schauspielhaus: Oliver Kluck «Männer Frauen Arbeit»

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Ein eindeutiger Fehler ist es, im Bett zu fragen, was der Liebhaber denn so denke. Könnte nämlich sein, dass er ehrlich antwortet: «Eigentlich denke ich immer nur an deine Scheide.» Gut, auf empörte Nachfrage, ob das wirklich alles sei, differenziert der Mann (Samuel Weiss), manchmal denke er auch an Augen, Brüste, Schulterblätter, aber eigentlich läuft es doch immer aufs Gleiche raus, er denkt an die Vulva der Geliebten (Saskia Taeger). Woran er nie denkt: an Politik, an Arbeit, an Wirtschaft. Die personifizierte Ambitionslosigkeit.

«Männer Frauen Arbeit» heißt die Auftrags­arbeit von Oliver Kluck für das Hamburger Schauspielhaus, das klingt wie «Vater Mutter Kind», und im Grunde trifft diese private Perspektive aufs Wirtschaftsleben den Kern des Stücks. Es geht um die Krise eines ökonomischen Systems, aber diese Krise ist eine Beziehungskrise, und in dem Moment, in dem das System kollabiert, ist es Zeit für eine Familientherapie. Kluck, 1980 an der vorpommerschen Ostseeküste geboren, sieht die DDR zusammenbrechen wie eine Familie, die sich auseinandergelebt hat, aber bevor jemand hier an Politik denkt, denkt er zunächst an Unterleiber. Anders ausgedrückt: Dass der Begriff der ...

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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Chronik: Hamburg, Seite 58
von Falk Schreiber

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