Mit dem Unterleib gedacht
Ein eindeutiger Fehler ist es, im Bett zu fragen, was der Liebhaber denn so denke. Könnte nämlich sein, dass er ehrlich antwortet: «Eigentlich denke ich immer nur an deine Scheide.» Gut, auf empörte Nachfrage, ob das wirklich alles sei, differenziert der Mann (Samuel Weiss), manchmal denke er auch an Augen, Brüste, Schulterblätter, aber eigentlich läuft es doch immer aufs Gleiche raus, er denkt an die Vulva der Geliebten (Saskia Taeger). Woran er nie denkt: an Politik, an Arbeit, an Wirtschaft. Die personifizierte Ambitionslosigkeit.
«Männer Frauen Arbeit» heißt die Auftragsarbeit von Oliver Kluck für das Hamburger Schauspielhaus, das klingt wie «Vater Mutter Kind», und im Grunde trifft diese private Perspektive aufs Wirtschaftsleben den Kern des Stücks. Es geht um die Krise eines ökonomischen Systems, aber diese Krise ist eine Beziehungskrise, und in dem Moment, in dem das System kollabiert, ist es Zeit für eine Familientherapie. Kluck, 1980 an der vorpommerschen Ostseeküste geboren, sieht die DDR zusammenbrechen wie eine Familie, die sich auseinandergelebt hat, aber bevor jemand hier an Politik denkt, denkt er zunächst an Unterleiber. Anders ausgedrückt: Dass der Begriff der ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Chronik: Hamburg, Seite 58
von Falk Schreiber
Kaum eine andere junge deutschsprachige Dramatikerin hat in den vergangenen Jahren einen Debüttext von solcher emotionaler Eindringlichkeit und schnörkelloser Sprachkraft vorgelegt wie die jetzt 28-jährige Azar Mortazavi. Für ihr Mutter-Tochter-Drama «Todesnachricht» erhielt sie 2010 den Else-Lasker-Schüler-Preis. Doch verglichen mit dem Nachfolger «Ich wünsch mir...
Bora Bora, gleich bei Tahiti, war seine Lieblingsinsel, Bombays Bordellviertel faszinierte ihn – dieser rot-gold-glosende Rausch aus Gerüchen, Lüsten und Farborgien; er tauchte weit hinab in den Prunk der Tiefsee (unter Larven die einzig fühlende Brust) und stiefelte rauf zum Himalaja: «Schon als junger Mann wollte ich den Nanga Parbat sehen – es ist mir gelungen!»
...Die Bühne der «Great Mongolian Show» steht seit geraumer Zeit verlassen. Neben der verblassten Leinwand-Steppe haben es sich die drei dazugehörigen Mongolen mit einem Fläschchen Sekt gemütlich gemacht und trotzen jedweder Erwartungshaltung des Publikums aufs Entspannteste. «Gebt den Anderen doch auch mal die Chips!», sagt die Mongolin schließlich. Mit...
