Das Ende der Zentralperspektive
Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Demokratie. Immer mehr Bürger gehen auf die Straße wegen des Abbaus sozialer Errungenschaften und gegen eklatante Ungerechtigkeiten. Schon vor dem Wahlsieg von Syriza in Griechenland hatten in der Öffentlichkeit wenige, aber vernehmliche Stimmen gewarnt. Sie hatten argumentiert: Die Demokratie kann scheitern, wenn sie soziale Gerechtigkeit nicht mehr spürbar macht.
Eine Rettung von Banken darf man nicht mit dem Ausverkauf eines Landes zu Schleuderpreisen und mit massenhafter Verelendung erkaufen.
Ein guter Kaufmann darf nicht nur seinen Profit im Auge haben, sondern aus Klugheit ebenso wie aus Fairness auch die Zukunft seines Kunden. Jetzt ist zu den kritischen Stimmen die einer gewählten Regierung hinzugekommen, und das ändert das ganze Klima der Debatte. Neuerdings haben andere Perspektiven Gewicht bekommen. In Kunst, Philosophie, Theater ist das Ende der Zentralperspektive schon lange selbstverständliche Erkenntnis. Jetzt muss wohl endlich auch ganz oben, am Perspektivpunkt sozusagen, wo alle Linien sich schneiden, der Groschen fallen – hoffentlich: Die Perspektive der nordischen Sparer und der ökonomischen Supermächte ist nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2015
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Hans-Thies Lehmann
Kein Tag im Jahr, an dem nicht auf irgendeiner der fast 250 Londoner Bühnen von Fringe bis National Theatre mindestens ein Shakespeare gezeigt wird. Dass allerdings ein Spielstättenduo der oberen Liga zeitgleich zwei seiner schwierigeren Stücke fürs angelsächsische 21. Jahrhundert grundüberholt, passiert selten: Zur Zeit filetiert am Lyric Hammersmith Frantic...
Liebe dich selbst, und es ist egal, wen du heiratest. Letztlich scheint austauschbar, wen der Zufall als Lebenspartner vorbeispült. Da ist nur folgerichtig, dass sich Claudia Bauer weitmöglichst vom intimen Rededuell «Szenen einer Ehe» von Ingmar Bergman entfernt. Sie vervierfacht das Paar «Marianne» und «Johann» und treibt die Verallgemeinerbarkeit des...
Mangelnden Mut kann man Sebastian Hartmann nach diesem Abend weiß Gott nicht vorwerfen. Er wagt sich wieder nach Frankfurt, wo er der Regisseur jenes «Massakerspiels» war, bei dem die hohe Spiralen schlagende Affäre mit dem Block begann. Es war und blieb lange seine einzige Frankfurter Inszenierung. Jetzt hat ihn Oliver Reese eingeladen, hier «Die Dämonen» als...
