Das Äußerste im Normalen

Peter Zadeks Weg von London über Ulm, Bremen und Bochum ins Zentrum des deutschen Nachkriegstheaters

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Was bewog den 32-jährigen Peter Zadek, dem englischen Theater den Rücken zu kehren und fortan am deutschen Theater zu arbeiten? Zum Ersten: Zadek war es von 1945 an – da war er 19 – bis 1957 zwar gelungen, anderthalb Dutzend Mal in London zu inszenieren, aber nur in Rand- und Clubtheatern mit kurzen Laufzeiten der Aufführungen und minimalen Gagen. Und das Dutzend Inszenierungen, die er in Swansea/Wales von Mai 1955 bis zum Frühjahr 1956 mit einwöchigen Probenzeiten lieferte, fand in London keine Beachtung.

Er blieb ein Außenseiter, fand keinen Zugang zum inneren Zirkel des englischen Theaters, wo Laurence Olivier, Peter Hall, Peggy Ashcroft den Ton angaben. Man ließ ihn nicht an Shakespeare heran, er bekam nur zweitrangiges Boulevardzeug und anstößige oder esoterische Literatur zu inszenieren.

 

Zadeks letzte Arbeit in England, die Inszenierung von Jean Genets «Balkon», führte fast zu einem Knall: Der Autor bedrohte auf einer der Schlussproben den Regisseur mit einem Revolver, denn er fand, dass die Inszenierung zu realistisch sei, zu vulgär. Zadek hatte ein Bordell auf die Bühne gebracht. Die Kontroverse, auch öffentlich ausgetragen, zog das prüde Londoner Publikum an, füllte das ...

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Theater heute Oktober 2009
Rubrik: Peter Zadek 1926-2009, Seite 14
von Henning Rischbieter

Vergriffen
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