«Verwahrlosung ist die Hoffnung»
Sonnenbrille, Dreitagebartgestrüpp, Stirnnarbe und Brusthaar: Vom Schutzumschlag guckt der Rockpoet. Nur eins der Etiketten, mit denen Thomas Brasch gerne belegt wurde und gegen die er wütend ankämpfte. Dissident war ein anderes. Um dieser Schublade zu entgehen, die den Medien ungemein ergiebig erschien, stürzte er sich in wagemutige Behauptungen über die DDR.
Dem jüdischen Funktionärssohn, Ex-Schüler einer NVA-Kadettenschule und Knastinsassen wegen Unbotmäßigkeit anlässlich der Warschauer-Pakt-Intervention in der CSSR 1968 blieb sie trotz alledem letzter Hort utopischen Denkens. Die BRD, in die er 1976 31-jährig mit Lebensgefährtin Katharina Thalbach «umzog», um seine Werke gedruckt und aufgeführt erleben zu können, war für ihn daran gemessen ein «windstiller Ort», der alle Widersprüche zu Tode harmonisierte. Dass er 1977 mit dem Stück um den Fleischergesellen «Rotter» und dem Prosaband «Vor den Vätern sterben die Söhne» schnell ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte, hinderte ihn nicht, die BRD als eine «Genuss- und Leistungsgesellschaft» zu beschreiben, die sich mit einer Demokratie nur verwechsele und in der «verdeckt Faschistoides» weiterwirke.
Unkorrumpierbare Abneigung ...
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Alexandra Iwanowna ist sauer. «Wo steht denn in der Bergpredigt, dass man mit Lakaien shake hands machen soll?», setzt sie ihrer kummervoll in sich zusammengesackten Schwester Marja zu, die aus nachvollziehbaren Gründen unter der Bibelexegese ihres Gatten Sarynzew leidet. Leider verkennt die nassforsche Frau Iwanowna (Naomi Krauss) das Problem aber vollständig –...
Wer einmal das Glück der Erfahrung hatte, eine Inszenierung von Peter Zadek bei den Proben zu begleiten, musste schnell die wichtigste Unterscheidung lernen: die Trennung zwischen drinnen und draußen. Drinnen sind alle an der Produktion Beteiligten in unmittelbarer Reichweite des Regisseurs, also alle auf sein Geheiß engagierten künstlerischen Mitarbeiter vom...
„Netto” war eine Überraschung. Als Seminararbeit an der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen geplant, praktisch ohne Budget und in kürzester Zeit entstanden, sozusagen „für den Hausgebrauch“ gedreht, wurde der Film 2006 in die Berlinale-Reihe „Perspektive Deutsches Kino” eingeladen – und als wäre dies nicht schon Auszeichnung genug, gewann er auch gleich...
