Aus zweiter Hand
Am Schluss raffen sich alle noch einmal auf für ein Tableau der allgemeinen Beglückung: Der kastrierte Hofmeister hat sein Landmädchen gefunden, die ausgeflogene Jungfer Gustchen kehrt, samt Kind, heim in den Schoß ihrer Adelsfamilie und an die Trauhand ihrer Jugendliebe Fritz von Berg. Man lächelt breit, ein Hauch von Seifenoper weht durch den Raum. Dann aber lassen alle ihre Köpfe auf die Tische sinken. Wenn die Nerven eigentlich zerrieben sind, fällt es schwer, aufrecht und wohlgestimmt für das Jubeltagsfoto zu posieren.
Sie fand unter erschwerten Bedingungen statt, die diesjährige Spielzeiteröffnung am Bremer Haus. Vier Tage vor der Premiere fiel Hauptdarsteller Alexander Rossi mit einem Muskelfaserriss aus. Sein Ersatz in der Titelrolle, Torsten Ranft, lässt ahnen, dass diese Sportlerverletzung nicht von ungefähr kommt. Der Läufer ist hier durchaus wortwörtlich aufgefasst. Von Beginn an wirkt er fiebernd und nervös und lässt die Beine fliegen. Seine Seele gleicht einem Schwamm, den man entsprechend ausdrucksstark auspresst.
Damit befinden wir uns nahe beim «Lenz» von Büchner mit seinem Interesse an der zerrütteten, manischen Existenz des Dramatikers. Ganz analog fasst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein «Sommernachtstraum» mit Puck als fieser Raupe, die erst zum Schmetterling werden muss. Gegenwärtige Stützen der Gesellschaft als ein versoffener, autistischer Haufen. Der bürgerliche Traum von der Vermählung der schönen Künste mit dem Kapital, wie er im wahrsten Sinne des Wortes ins Bodenlose rutscht. Ein moderner Ruhrpott-Simplicissimus, der durch Sex, Drugs...
Heimat steht nicht hoch im Kurs im ach so progressiven deutschen Theater. Was soll man da mit einem Stück anfangen, das den Mittelteil einer «Heimattrilogie» stellt, wie «Dogland» von Nuran David Calis? Wie schon bei seinem Erstling «Dog eat Dog», der vor zwei Jahren am Thalia-Theater uraufgeführt wurde, ist der Ort der Handlung die Bielefelder Plattenbausiedlung...
Eine Frau geht über die Bühne, ein Hund trippelt hinterher. Gelächter. Stumm und doch auf schnelle Wirkung bedacht, so beginnt – und bleibt die erste Inszenierung des neuen Intendanten Elmar Goerden in Bochum. Keine Botschaften, nur Boten. Aber auch keine Rätsel, keine Geheimnisse. Alles klar in Bochum, neuer Kommandant, kaum veränderter Kurs.
Mit Peter Handkes...
