Auf die Plätze, fertig, los!
Ein «Sommernachtstraum» mit Puck als fieser Raupe, die erst zum Schmetterling werden muss. Gegenwärtige Stützen der Gesellschaft als ein versoffener, autistischer Haufen. Der bürgerliche Traum von der Vermählung der schönen Künste mit dem Kapital, wie er im wahrsten Sinne des Wortes ins Bodenlose rutscht. Ein moderner Ruhrpott-Simplicissimus, der durch Sex, Drugs and Rock’n’Roll mäandert.
Schließlich Leonce und Lena, die Königskinder, die diesmal nicht zusammenfinden: Nach den ersten fünf Premieren lässt sich feststellen, dass Theaterbesuche in Essen wieder Überraschungen bereithalten.
Nach dreizehn, was die Besucherzahlen betrifft, durchaus erfolgreichen, gemütlich-konventionellen Jahren mit Jürgen Bosses psychologischem Realismus, praktisch ohne zeitgenössische deutsche Autoren, hat Anselm Weber, Publikum und Entscheidungsträgern der Stadt durch Regiearbeiten in der Aalto-Oper bekannt, das Essener Schauspiel übernommen. Der Beginn einer neuen Ära also, die sich für Theaterzeitung und Informationszettel ein blasses, aber unverwechselbares Rosa als Farbe erkoren hat. Das Titelblatt zum Neustart beherrscht ein stilisiert gezeichneter junger Mensch, der in Denker- oder Betrachterpose ...
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Wenn er hereinkam, der kleine, stämmige Mann mit dem wie poliert glänzenden Schädel im schütter gewordenen Haarkranz, den wach strahlenden Augen, dem kindlichen Lebenslust-Lächeln – dann wurde einem wohl ums Herz. Schwer, schmerzhaft zu denken, dass er jetzt tot ist. Aber sein Beispiel bleibt, das eines politischen Schriftstellers, Selbstdenkers.
István Eörsi,...
Wer Hans Christian Andersens anlässlich seines 200. Geburtsjahres gedenkt, dem fallen zwar Streichholzmädchen, Seejungfrauen und Schneeköniginnen ein, aber keine einzige Dramenfigur. So bekannt der dänische Dichter als Märchenerzähler ist, so wenig weiß man über ihn als Theaterautor, der die Bühne glücklos liebte und insgesamt immerhin rund 40 Schauspiele und...
So kennt man ihn. Immer mit einem Programmheft in der Hand, das er dem Gesprächspartner auf jeden Fall zusteckt. Neuerdings legt er noch einen drauf und überrascht den Premierenbesucher mit einem Sektglas und der blauen Blume der Romantik im Revers. Man darf sinnieren, ob er mit dem blauen Touch lediglich sein «Ich krieg euch alle»-Lächeln untermalen will oder...
