Auf verlorenen Posten
Der freundliche Mann im Hawaiihemd, der mit hochgeschobener Sonnenbrille und Haifischzahnkette auf die von flotten US-Army-Musikern flankierte Varietébühne tritt, hebt mit säuselnder Stimme zu reden an. Ein eigentümliches Soundgemisch ergießt sich ins Publikum: einerseits Kuttners vertraut atemloses Berlinpalaver, andererseits sanft manipulativer Therapeutensprech, der in der US-Psychiatrie der 50er Jahre wurzelt: Palo-Alto-Gruppe, systemische Therapie. Von dort, behaupten Verschwörungstheoretiker gerne, führten Drähte zur CIA und noch heute nach Silicon Valley.
«Eisler on the Beach», die jüngste Inszenierung des Regieteams Tom Kühnel und Jürgen Kuttner in den DT Kammerspielen, nennt sich im Untertitel «Eine kommunistische Familienaufstellung». Ein hübsches, treffendes Paradox. Denn tatsächlich war der Kalte Krieg, den die jüdischen Geschwister Eisler insbesondere in den vierziger Jahren in Amerika ausfochten, wohl nicht nur ein welthistorischer, sondern auch schlicht ein innerfamiliärer: Die ältere Schwester Ruth Fischer, die in den zwanziger Jahren noch Stalin von links (!) bekämpft hatte, denunzierte ihre jüngeren Brüder, den späteren DDR-Rundfunkchef Gerhart und den ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Eva Behrendt
fassung
mange ton dasein!
lacan
tatsächlich gibt es nichts, was auf so unerträgliche art und weise unbrauchbar und überflüssig wäre wie das organ, das herz genannt wird, dieses schmutzigste aller mittel, das die wesen erfinden konnten, um leben in mich zu pumpen.
artaud
per medulam cordis mei,
peccatoris atque rei,
tuus amor transferatur,
quo cor tuum rapiatur
...
Die Thailänderin Jen kniet mit ihrem amerikanischen Ehemann vor dem buddhistischen Schrein der zwei Göttinnen und bringt kleine Figurinen als Opfergaben dar: einen Geparden für ihr krankes Bein, einen Gibbon-Affen für starke Glieder und einen Tiger für die Kraft ihres neuen Sohnes Itt. «Wir haben einen neuen Sohn?», fragt ihr Ehemann verwundert. «Er ist ein guter...
Wer als Kind mal ein Filmstudio besichtigt hat, erinnert sich an das große Staunen vor dem ersten Blue- oder Greenscreen: Der Wettermann, wahlweise King Kong, steht nicht etwa vor der Wetterkarte oder in New York, sondern schlicht vor einer monochromen Wand – der Rest ist Technik. Der Regisseur Amir Reza Koohestani holt diesen nicht ganz taufrischen Wow-Effekt nun...
