Autor der eigenen Geschichte werden
Die Thailänderin Jen kniet mit ihrem amerikanischen Ehemann vor dem buddhistischen Schrein der zwei Göttinnen und bringt kleine Figurinen als Opfergaben dar: einen Geparden für ihr krankes Bein, einen Gibbon-Affen für starke Glieder und einen Tiger für die Kraft ihres neuen Sohnes Itt. «Wir haben einen neuen Sohn?», fragt ihr Ehemann verwundert. «Er ist ein guter Mann», antwortet ihm Jen, und meint damit den Mann im mysteriösen Tiefschlaf, den sie im Hospital betreut. «Ein Soldat, der unserem Vaterland dient. Du bist Ausländer, Schatz. Du verstehst das nicht.
»
Was in «Cemetry of Splendour», dem neuen Film des thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul, auf den ersten Blick als nicht ganz ernst gemeintes Wortgefecht einer kulturell gemischten Ehe erscheint («Doch Schatz, ich verstehe!»), zielt eigentlich auf eine Kritik an der Militärdiktatur seines Heimatlands ab. Im Mai 2014 hat sich das Militär in Thailand (wieder) an die Macht geputscht und verweigert der Bevölkerung seitdem die konkrete Aussicht auf demokratische Wahlen. Aktiv – und nicht zuletzt durch Polizeigewalt gegen Künstler, Medien oder politische Opposition – betreibt die Junta ein großes nationales ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Ausland, Seite 40
von Anja Quickert
Motivzeichnung zu «Mosch», mein erster Film (WDR 1980)
«Blick wie in einen Käfig; der kahle Hinterhof der Seifenpulverfabrik meines Großvaters in Wuppertal. Meine Mutter hatte als Kind manchmal ein Anemonensträußchen auf den Mauervorsprung gestellt. Es ist kein Ausgang zu sehen.Womit sollte ich mich als entlassener Kriegsgefangener ohne Schulabschluss in der Zeit...
Fröhlich tropfen die Flageoletttöne aus der Ukulele. Pling, pling, tropf. Aber es sind keine Töne, die da tropfen, es ist Blut, Blut aus einem abgetrennten Schädel, der an einer Gaspipeline hängt und langsam ausblutet. Ein roter, tropfender Ball. Angeblich hätten russische Freischärler so die Leichen tschetschenischer Unabhängigkeitskämpfer zur Schau gestellt, zur...
Der freundliche Mann im Hawaiihemd, der mit hochgeschobener Sonnenbrille und Haifischzahnkette auf die von flotten US-Army-Musikern flankierte Varietébühne tritt, hebt mit säuselnder Stimme zu reden an. Ein eigentümliches Soundgemisch ergießt sich ins Publikum: einerseits Kuttners vertraut atemloses Berlinpalaver, andererseits sanft manipulativer Therapeutensprech,...
