Immer lächeln
Wer als Kind mal ein Filmstudio besichtigt hat, erinnert sich an das große Staunen vor dem ersten Blue- oder Greenscreen: Der Wettermann, wahlweise King Kong, steht nicht etwa vor der Wetterkarte oder in New York, sondern schlicht vor einer monochromen Wand – der Rest ist Technik. Der Regisseur Amir Reza Koohestani holt diesen nicht ganz taufrischen Wow-Effekt nun auf die Bühne des Theaters Oberhausen.
In seiner Uraufführung «Taxigeschichten» sitzen der Taxifahrer Naser (Jürgen Sarkiss) und seine Fahrgäste in meterweit voneinander entfernt montierten Autositzen vor einem leuchtend grünen Hintergrund. Auf der Leinwand über ihren Köpfen fahren sie aber, Potzblitz, gemeinsam in einem Taxi durch die Straßen Berlins. Je nach Status trägt man dazu obenrum Glitzershirt, Tank-Top oder Hemd und Krawatte – unterhalb der Gürtellinie dagegen fällt der Blick auf Unterhosen und nackte Beine. Mehr Kostüm ist nicht nötig, das Filmbild zeigt schließlich nur die Oberkörper, dieses kleine Spiel mit den Grenzen der filmischen Illusion bleibt allerdings das einzige seiner Art.
Koohestani, der zuletzt mit seiner beklemmenden Inszenierung «Hearing» am Frankfurter Mousonturm zu Gast war, verwendet die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Cornelia Fiedler
Die Thailänderin Jen kniet mit ihrem amerikanischen Ehemann vor dem buddhistischen Schrein der zwei Göttinnen und bringt kleine Figurinen als Opfergaben dar: einen Geparden für ihr krankes Bein, einen Gibbon-Affen für starke Glieder und einen Tiger für die Kraft ihres neuen Sohnes Itt. «Wir haben einen neuen Sohn?», fragt ihr Ehemann verwundert. «Er ist ein guter...
Motivzeichnung zu «Mosch», mein erster Film (WDR 1980)
«Blick wie in einen Käfig; der kahle Hinterhof der Seifenpulverfabrik meines Großvaters in Wuppertal. Meine Mutter hatte als Kind manchmal ein Anemonensträußchen auf den Mauervorsprung gestellt. Es ist kein Ausgang zu sehen.Womit sollte ich mich als entlassener Kriegsgefangener ohne Schulabschluss in der Zeit...
Taugt Fellinis «Schiff der Träume», eine Erste-Klasse-Beerdigung verlebter Hochkultur-Träume, zur europäischen Flüchtlings-Parabel? Karin Beier inszeniert im Hamburger Schauspielhaus.
Das neue Stück von Felicia Zeller hält, was sein Titel verspricht: «Zweite allgemeine Verunsicherung». Der Stückabdruck!
Die Londoner Saison hat bisher wieder ein paar interessante...
