Auf Umwegen ins Ziel
Zu Peer Gynt, hier entlang. Also gut. Machen wir es wie der Titelheld. Nehmen wir den Umweg. Peers Selbstfindungstrip führt von Solveig über Marokko und die halbe Welt zurück zu Solveig. Uns Zuschauer leitet ein Schilderparcours hinter die Große Bühne, hinein in den Basler Theaterbauch, mitten in Peer Gynts Industrieheimat. Dort, im Blaumannland, wo ein Gasrohr wie ein Minarett gen Himmel sticht (Bühne Maria-Alice Bahra), knechten Ibsens Dorfbewohner, eine verzerrte Muezzinstimme ruft per Lautsprecher zum Schichtwechsel. Alle sind Arbeitsbienen. Nur einer nicht. Peer Gynt.
Der hoppelt herbei, ein Ritter in Papprüstung auf eingebildetem Streitross, ein Rotzbengel im Körper eines 20-Jährigen. Haltung schlaff, Wampe beträchtlich, Charisma null, Sex-Appeal dito. Mit dem Mut zur Witzfigur verscheucht Aljoscha Stadelmann sämtliche Naturburschenklischees gleich im ersten Auftritt. Das ist kein Peer Gynt, der im Geiste mit den Adlern fliegt. Ein Maulheld, ja, aber einer mit Stummelzähnen. Ein Träumer, vielleicht, aber seine Träume klingen arm und vernuschelt. Und die hoffnungslos überforderte Mama Aase klemmt das fettige Haar hinters Ohr und sitzt das Leben in der ...
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Schon wieder ein Buch, das töten kann. Es ist 735 Seiten dick (siebenhundertfünfunddreißig). Es heißt «Neunzehnsechsundneunzig bis Zweitausendundsechs», schlichtes Schwarz auf schlichtem Weiß. Todesanzeige. Nahkampftauglich für Freunde des Hammerwerfens. Es umfasst die zehn Jahre, die Intendant Michael Schindhelm auch im Theater Basel weilte. Oper, Tanz,...
Als 1808 die berühmten Hofschauspieler der «Comédie Française» die versammelten Monarchen des Erfurter Fürstenkongresses mit ihrem Spiel zerstreuten, mussten sie noch mit dem später Kaisersaal genannten Ballhaus vorlieb nehmen. Erst 1877 leisteten sich die Erfurter Bürger ein veritables Theatergebäude, mit immerhin 1150 Plätzen, aber noch ohne eigenes Ensemble....
