Anfall von Sterblichkeit
Früher war mehr Lametta und sowieso alles besser. Auf solch seelenstreichelndes Geseufze mag sich zurückziehen, wer in der Gegenwart keinen Halt mehr findet und mit der Zukunft schon abgerechnet hat. Doch die Zeit bleibt nicht stehen – und auf einmal sind uns die in die Jahre gekommenen Rückwärtsgewandten verwandter, als wir wahrhaben wollen: Sie faseln längst nicht mehr von Stalingrad und Fritz Wunderlich, sondern kriegen feuchte Augen, wenn sie an «68» und Pink Floyd denken, an Stamokap und Patti Smith, an Idealismus und den abgewetzten Parka mit den aufgenähten Gesinnungs-Symbolen.
Und dann kann es passieren, dass ihnen der Boden unter den Füßen schwankt und der Blick verschwommen wird: «Früher wurde es irgendwie heller.» Der Autor Lukas Hammerstein (Jahrgang 1958) ist durchaus selber so ein Held der inneren Verunsicherung, und wenn er sich schreibend seiner Generation nähert, dann tut er das ausgewogen mit einem zynischen und einem trüben Auge: Sein aktuelles Stück – eine Auftragsarbeit des Nürnberger Staatstheaters – begleitet in zwölf Szenen, die so eindeutige Titel haben wie «Ich bin da» oder «Ich will alles» oder «Die Halbwertzeit unserer Träume», zwei alte Kämpen, aus ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Staatstheater Nürnberg, Seite 53
von Bernd Noack
Franz Wille Das Thalia Theater hat gewagt, was sich noch kein anderes Theater getraut hat – es hat das Publikum eingeladen, über den nächsten Spielplan abzustimmen: «Vier Inszenierungen im Großen Haus werden vom Publikum vorgeschlagen. Die drei meistgenannten Stücke werden aufgeführt. Versprochen.» Die Auswahl hat kurz vor Weihnachten stattgefunden, dem Theater...
Welches Bild soll es sein? Welche optisch-szenischen Übersetzungen will das Theater finden für die Texte, von und mit denen es lebt? Gestaltet es die Welten für die Bühne bloß routiniert – oder setzt es auf Behauptungen, die den Inszenierungen Orientierung geben? Wann und wo beginnt die Handschrift der Bühne; für jeden Bühnenbildner, jede Bühnenbildnerin – und für...
Die Hölle sieht ganz beschaulich aus. Zumindest mit Coffeeshops und italienischen Restaurants, Bücherstuben und Szenefriseuren, Bioläden und Kinderboutiquen ist sie reich gesegnet. Der schwunghafte Einzelhandel in der Berliner Hufelandstraße wird frequentiert von Leuten vielleicht wie Du, in jedem Fall aber wie ich: zugezogen aus dem so genannten Westdeutschland,...
