An den eigenen Floskeln
Die Besetzung, was die Rollen der Kommunisten angeht», darauf insistierte Müller, sie sei «so jung wie möglich». Begründung: «Sie haben mehr vor als hinter sich.» Als Ruth Berghaus 1973 die Uraufführung des Stückes gegen das penetrante Misstrauen der Kultur-Schickeria durchsetzte, konnte der Vorschlag noch als Vertrauensvorschuss in ein längst morbides schein-sozialistisches System gedeutet werden. Aber Müller wusste: «Der Text ist klüger als der Autor.» In der Ambivalenz seiner Sprachvisionen ist viel Raum für die Fakten der Wirklichkeit.
Nirgends ein Anzeichen für das Glück der befreiten Menschheit mit Händen zu greifen. Nur im Traum der Revolutionäre schimmert vage das Ziel. Ins Unbehauste greifend, vergessen sie ihre Kinder, lassen sie verkümmern in lieblosen staatlichen Heimen. Gleb Tschumalow (Stefan Schießleder), der Arbeiter, heimgekehrt aus den Torturen des Bürgerkriegs, hoffend auf Liebe und Heim, findet seine Frau nicht mehr, wie er sie verließ. Fasziniert von der Idee der Emanzipation, sucht Dascha, die Schöne, Zierliche (Stephanie Schönfeld), ihren Platz im Parteibüro. Umgewälzt sind alle gewohnten Verhältnisse.
Was sie vor sich haben, die hier mit glühender Energie ...
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Die mit breiten Latten notdürftig verschalten Wände der Arbeitsagentur sind provisorisch geweißt. In der Mitte des Raums ragt ein Ding aus dem Boden, das eher einer stählernen Notrufsäule als einem Nummernautomaten gleicht. In der rechten Ecke steht einer dieser braunen, mannshohen Kaffeeautomaten, die dünnwandige Plastikbecher auswerfen. Ein Relikt aus Zeiten,...
So richtig politisch korrekt sieht diese Freitag-Skulptur ja nicht gerade aus. Der aus dem Jugendbuchklassiker «Robinson Crusoe» bekannte Ex-Kannibale, dem der Bühnenbildner Marc Warning auf der Bühne der Münchner Kammerspiele ein raumfüllendes Denkmal setzt, ist dem einsamen Urvieh King Kong wie aus dem Gesicht geschnitten: dieselben traurigen Hängeschultern,...
Die Zeiten von «Harry, fahr schon mal den Wagen vor» sind endgültig vorbei. Bekanntlich ist dieser Satz in der Serie, die jedermann damit assoziiert, nie gefallen. Kultstatus hat er trotzdem, weil seine wunderbar sachliche Banalität alles einschließt, was die guten alten deutschen Krimi-Serien wie «Derrick» eben ausmachte: Behäbigkeit und Ernst, verkörpert von...
