Mehr Fleisch
So richtig politisch korrekt sieht diese Freitag-Skulptur ja nicht gerade aus. Der aus dem Jugendbuchklassiker «Robinson Crusoe» bekannte Ex-Kannibale, dem der Bühnenbildner Marc Warning auf der Bühne der Münchner Kammerspiele ein raumfüllendes Denkmal setzt, ist dem einsamen Urvieh King Kong wie aus dem Gesicht geschnitten: dieselben traurigen Hängeschultern, derselbe Blick ins Leere. Doch der «Neger» schaut nicht nur wie der Affe aus. Zu Füßen des Sitzriesen hat sein sarkastischer Schöpfer auch noch zwei todschicke Kücheninseln aufgefahren, in deren Töpfen es kräftig brodelt.
Wer kocht denn da – das wirklich radikal Andere? Und was – doch nicht etwa Menschenfleisch? Oder tritt gleich Tim Mälzer auf mit einer besonders pikanten Folge von «Schmeckt nicht, gibt’s nicht»?
Immerhin stammt J. M. Coetzees Roman «Mr. Cruso, Mrs. Barton & Mr. Foe», den Johan Simons hier in einer Bearbeitung des jungen belgischen Dramatikers Pieter de Buysser inszeniert, mitten aus dem Jahrzehnt der Political Correctness. Die PC-Bewegung, die um 1980 an den US-amerikanischen Universitäten entstand, glaubte fest daran, dass durch verordnete Veränderungen der Sprachpraxis Emanzipationshilfe für ...
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Die mit breiten Latten notdürftig verschalten Wände der Arbeitsagentur sind provisorisch geweißt. In der Mitte des Raums ragt ein Ding aus dem Boden, das eher einer stählernen Notrufsäule als einem Nummernautomaten gleicht. In der rechten Ecke steht einer dieser braunen, mannshohen Kaffeeautomaten, die dünnwandige Plastikbecher auswerfen. Ein Relikt aus Zeiten,...
Das Matterhorn hat viele Gesichter. Strahlend weiß vor Postkartenhimmel. Mit rosigem Gipfel, der neugierig aus dem Morgennebel ragt. Grünstichig, sturmumtost und abweisend am späten Nachmittag. Nachts ein kalter Keil in Anthrazit, spitz wie eine Waffe. Thomas Imbach hat zahllose Aufnahmen der Bergikone in seine Filmerzählung «Lenz» geschnitten, immer aus...
Eine Renaissance seines Theaters wird es nie mehr geben. Man kann sich nur noch mit Hilfsmitteln daran erinnern, was Tadeusz Kantor auf der und für die Bühne bedeutet hat: Video-Mitschnitte der Aufführungen, endlose Reihen von (Schwarz-Weiß-)Fotos, Manifeste, Partituren, Skulpturen, Kostüme, Bühnenbilder, Grafiken und Emballagen – Relikte, allein in «seiner» Stadt...
