Cul=Tour oder Die Theorie des Phonetismus
Dem Vorurteil nach war Arno Schmidt ein ähnlicher Eigenbrötler wie sein österreichischer Kollege Thomas Bernhard. Zurückgezogen auf dem platten niedersächsischen Land lebend, habe er mit niemandem sprechen wollen und keinerlei Störung beim Verfertigen seiner sperrigen Texte geduldet, heißt es stereotyp.
Doch so wie Bernhard seine – gar nicht einmal so seltenen – Interviews als Bühne zu nutzen verstand, um ein verblüffendes Talent für Wortspielereien zu demonstrieren und seine Verweigerungshaltung in einen performativen Akt höherer Blödelkunst umzumünzen, so wusste auch Schmidt, wie man sich vor Kameras und Mikrofonen selbst inszeniert. Diesen spontanen Eindruck erweckt jedenfalls die Ausgabe der Fernseh- und Rundfunkinterviews bzw. -lesungen Schmidts, die als zweiter Supplemente-Band der Bargfelder Werkausgabe bei Suhrkamp erschienen sind. Auf 12 CDs und einer DVD haben die Bargfelder Editoren alle verfügbaren Live-Interviews Schmidts zusammengestellt und in einem Begleitband transkribiert, der zudem auch noch Schmidts Antworten auf Umfragen beinhaltet.
Schon beim Betrachten der DVD, die drei Fernsehinterviews aus den 60er Jahren präsentiert, stellen sich jedoch auch erste Zweifel ...
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Alles stimmt, alles passt: der helle, hermetisch geschlossene Raum. Die leicht und sparsam gesetzten Klänge. Das gelbe Kleid der Iokaste. Die weißen Anzüge der Männer. Der schwarz gekleidete Chor – die Kleidung postmodern, mit ein paar historischen Zitaten, einer Schnalle hier, einem Brustpanzerteil da. Requisiten? Keine, doch, zwei Wasserflaschen. Davon später.
Ödi...
Klar, dass hier nur das stehen kann, was die Geschichte der Theaterkritik einen Verriss nennt. Längst hat sich ja der Autor Rolf Hochhuth mit einer Form von Eigensinn, die ihresgleichen sucht, zielstrebig hinaus beschleunigt aus dem zeitgenössischen Diskurs; und letzthin dem Deutschen Nationaltheater in Weimar die Uraufführung des jüngsten Stückes sehr kurz vor der...
Gestorben
Legendär war sein Auftritt in Volker Brauns «Übergangsgesellschaft», wenn er als alter Kommunist und verdienter Spanien-Kämpfer Wilhelm Höchst auf dem Boden sitzt, Westfernsehen guckt und Sätze sagt wie «Der Sozialismus kann nicht als Diktatur zum Ziel kommen». 1988, ein Jahr vor dem Mauerfall, war diese Fortschreibung von Tschechows «Drei Schwestern»...
