Die Thebaner sind unter uns
Alles stimmt, alles passt: der helle, hermetisch geschlossene Raum. Die leicht und sparsam gesetzten Klänge. Das gelbe Kleid der Iokaste. Die weißen Anzüge der Männer. Der schwarz gekleidete Chor – die Kleidung postmodern, mit ein paar historischen Zitaten, einer Schnalle hier, einem Brustpanzerteil da. Requisiten? Keine, doch, zwei Wasserflaschen. Davon später.
Ödipus ist jung, sehr jung. Unbekümmert und sehr verliebt. Er sitzt auf dem Schoß seiner fraulichen Königin, zärtlich von ihr umklammert, er liegt auf ihr und tut es – eindeutig gestöhnt und doch stilisiert.
Kreon guckt freundlich zu. Nur der Chor stört. Ein schwarzer Krähenschwarm, sie stürmen nach vorn, stehen wie eine Mauer, starr, fordern die Rettung. Laien, teilweise durchaus laienhaft in Bewegung und Blick, doch hoch konzentriert, und die Sprache stimmt, der Rhythmus, die Betonung. Bürger eben, Linzer Bürger, jetzt Thebaner. Sie singen auch, kurze Tonfolgen, wenn es gar keinen Ausdruck mehr gibt, keine Worte für Angst, Entsetzen. Sie sitzen rechts und links entlang der weißen Seitenwände, sehen zu und können nichts tun als ab und zu ihren Gefühlen Laut geben. Das helle Herrschertrio, die drei vom Königshaus sind weit ...
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Lachen will der neue Mensch. Zu gut gepanzert gegen Mitleidswirkungen ist unsere Seele, als dass uns mit Tragischem noch beizukommen wäre. Das äffische Gemecker ist der animalische Restreflex des auf- und abgeklärten Zuschauers. Erschüttern kann man nur das Zwerchfell noch. Allein die Groteske kommt uns bei, wusste schon der selige Dürrenmatt.
So beginnt Jorinde...
Es soll ja noch schlechter werden», lautet die permanente Drohung in diesem Stück. Für Elisabeth, die Hauptfigur in Horváths Sozialstück «Glaube Liebe Hoffnung», ist das aber noch lange kein Grund, aufzugeben. Die düstere Zukunftsprognose lässt, im Gegenteil, die graue Gegenwart in einem helleren Licht erscheinen. «Ich lass den Kopf nicht hängen», sagt Elisabeth...
Vorsichtig bahnen sich drei Kerzen ihren Weg durch ein Tableau aus schemenhaften Gestalten. Stimmen erklingen. Irgendwo in einem dunklen Zimmer haben Tony, Thomas und Christian Buddenbrook das Stammbuch ihrer Familie entdeckt, deren große Zeit längst im dämmrigen Zwielicht der Geschichte in Vergessenheit geraten ist. In Zeiten der Angst vor dem Abstieg...
