Brav im Kampf, wild danach
Die Frankfurter Kammerspiele, das Kleine Haus, waren noch nie mehr als eine Schachtel. Wenn man, wie jetzt Jürgen Kruse, so viel Zeug hineinstopft, dass man den Deckel nicht mehr zubekommt, sieht man, wie hart gequetscht das Bühnenleben hier immer ist.
Kruse stört das nicht, er findet hier die Grenzen, die er sprengen kann. Die Zuschauer sitzen in ihrem angehängten Schacht, und Kruse füllt die Schachtel mit einer Flut von Zitaten, Sätzen, Gedanken und Assoziationen, vor allem aber vielen, vielen Sachen.
Da sind Meereswellen und schöne Maiden mit Blumenkränzen und ein schmutziger Vorhang, dann sind da ein Galgen, weit gespreizte Frauenbeine, ein großes O. Die Bühne ist ganz mit schwarzer Folie ausgeschlagen.
Es brummt, und Möwen schreien. Durch einen Ventilator fällt Licht, Lampen werfen dem Zuschauer Licht in die Augen. Da ist Regen und wieder Schmutz, vor allem aber noch viel Kruscht. Unter anderem ist Kruses Kunst Aufbewahrungskunst, Abfallkunst, Schachtelkunst.
Jürgen Kruse, in Frankfurt vor vielen Jahren schon mal Hausregisseur, hat daselbst Wolfgang Borcherts sogenanntes Kriegsheimkehrerdrama «Draußen vor der Tür» – nicht – inszeniert. Er tappt nicht in die Aktualitätsfalle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Peter Michalzik
Mit dieser Rede hätte er sich den Rest gegeben, wäre nicht ohnehin schon alles verloren und Dantons Tod längst ein abgekartetes Spiel der jakobinischen Tugendmafia. Der niederländische Film- und Bühnenstar Pierre Bokma bürstet die Titelrolle in Johan Simons’ Büchner-Inszenierung zur Spielzeiteröffnung an den Münchner Kammerspielen ganz gewollt gegen den Strich: als...
Vor sieben Jahren inszenierte Tina Lanik am Schauspiel Frankfurt die Uraufführung von Thomas Jonigks «Hörst du mein heimliches Rufen». Man kennt sich also, und es sieht so aus, als sei jetzt, da es am Münchner Residenztheater um Jonigks neuestes Stück ging, von Seiten der Regisseurin so was wie Leidensfähigkeit im Spiel gewesen. Das braucht es auch, will man beim...
Theater kann man nicht losgelöst von seinem Ort machen», erklärt Piotr Kruszczynski und lehnt sich auf seinem rustikalen Holzstuhl zurück. Seit September 2011 leitet der 46-Jährige das Teatr Nowy in Poznan, ein traditionsbewusstes Haus, mit großem Freundeskreis im älteren und ökonomisch gut situierten Bürgertum. Die Auslastungs–zahlen sind traditionell gut, das...
